Album der Woche

Peaches

NO LUBE SO RUDE

Kill Rock Stars (VÖ: 20.2.)

Die Dancepunk-Ikone war nie weg und ist jetzt trotzdem wieder da.

Was wäre die Welt ohne Peaches? Ein traurigerer und farbloserer Ort. Die kanadische Wahlberlinerin war mit ihrem Electroclash-Punk der Nullerjahre stilbildend für eine Generation Nachwuchsfeminist:innen, Musiker:innen und Performancekünstler:innen. Richtig weg war sie dabei nie: In den letzten Jahren brachte sie ihre Revue „There Is Only One Peach With a Hole in the Middle“ und die Electro-RockOper „Peaches Does Herself“ auf die Bühne und war 2024 Sujet von gleich zwei Dokumentarfilmen, „Teaches of Peaches“ und „Peaches Goes Bananas“, neben Dutzenden anderen Projekten.

Nun scheint sie aber nach über zehn Jahren wieder Zeit, Muße und Inspiration für ein ganzes neues Album gefunden zu haben. Und das Warten hat sich gelohnt, denn Peaches beweist mit diesem siebten Album, dass es nie allein die Ästhetik, der Schockfaktor, oder der Zeitgeist waren, die sie zur Ikone haben werden lassen – sondern dass sie auch einfach richtig gute Songs schreiben kann.

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NO LUBE SO RUDE schafft es dabei, zeitgemäß und nicht nur wie ein Electroclash-Throwback zu klingen. Wobei es natürlich hilft, dass im Zuge des Indiesleaze-Revivals genau diese Soundästhetiken wieder eine Renaissance erfahren. Und Spießer zum Glühen bringen kann sie natürlich auch immer noch, denn auch wenn wir alle oversexed and underfucked sind, bleiben selbstbestimmtes weibliches Begehren, explizit formuliert, die Post-Menopause, und erst recht die Auseinandersetzung mit Alter und Körperlichkeit immer noch ein Tabu. Und mit dem überraschend romantischen „Be Love“ bringt Peaches den vielleicht größten Schocker zum Abschluss des Albums: eine Ode an die (Selbst-)Liebe.

Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.