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Sinkane Mean Love


City Slang/Universal

Wie Ahmed Gallab alias Sinkane auf dem Cover seines zweiten, vor zwei Jahren bei DFA erschienenen Albums, MARS, am Strand in Badehose neben einer rot-gelben Fahne stand und das Peace-Zeichen machte: Das war ziemlich großartig.

Die Musik war es ebenfalls, wenn auch vielleicht noch ein wenig ungeordnet. Viele Ideen für einen jungen Künstler, der 1989 als Kind mit seinem Vater aufgrund politischer Unruhen aus dem Sudan floh, sich urplötzlich zunächst im ländlichen Utah wiederfand und anschließend nach Ohio zog.

Die Einflüsse populärer sudanesischer und traditioneller ostafrikanischer Rhythmen waren MARS klar anzuhören, nur hatte Gallab eben noch nicht alle Filter scharf gestellt. Nun erscheint mit MEAN LOVE das dritte Album des Wahl-New-Yorkers, und plötzlich stimmt alles: Ein Afrobeat-Soul’n’Funk-Album aus einem Guss, fein arrangiert und grandios gesungen.

Was MEAN LOVE so besonders macht, ist die Entspanntheit: Ahmed Gallab zeigt sich auf dem Cover in blauem Licht vor grüner Kulisse – es muss eine wirksame Art der Bestrahlung sein. Der Reggae-Pop „Young Trouble“ klingt so locker aus der Hüfte geschossen, wie Reggae-Pop unbedingt klingen muss, um nicht in gefährlich seichte UB40-Gewässer zu geraten.

Das Stück „Moonstruck“ schaut kurz in der Karibik vorbei, wobei Gallab eben nicht die Klischeepostkarte aussucht und weiterzieht, sondern die Harmonievorlage nutzt, um darüber einen fabelhaften Song zu schreiben. Im herrlichen Titelsong ertönen Country-Gitarren, während Sinkane auf einer Yacht verweilt, um sich dort zu cocktailverhangenem Soft-Pop bitter über die Gemeinheit der Angebeteten zu beschweren.

Viele dieser Songs auf MEAN LOVE hätten sich auch wunderbar auf der formidablen Compilation TOO SLOW TO DISCO gemacht: perfekte Musik für gut angezogene Faulenzer.


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