Sleaford Mods

THE DEMISE OF PLANET X

Rough Trade/Beggars/Indigo (VÖ: 16.1.)

Die Mods sind müde – und suchen ihr Heil in ebenso resigniertem wie wortgewaltigem Eklektizismus.

Als Cut & Paste bezeichnet man eine methodische Praxis der Moderne und der Postmoderne, bei der vorgefundene Elemente extrahiert, neu arrangiert und in veränderter Sinnstruktur wieder zusammengesetzt werden. Andrew Fearn und Jason Williamson machen genau das seit rund 15 Jahren. Die Sleaford Mods haben aus Minimalbeats und Maximalsprache ein Format entwickelt, das sehr eigen zwischen Kitchen Sink Realism, politischer Anklage und bitterer Selbstbeobachtung operiert.

Williamsons Wortkaskaden reichen diesmal von den „Social Media Weightwatchers“ in „Megaton“ bis Double Denim („Don Draper“), von InstastoryDoomscrolling und dem Hamsterrad Leben („Bad Santa“) bis zur Trump’schen Strategie, den Diskurs mit Lügen zuzuscheißen: „Flood The Zone“ zitiert mit der Zeile „This Domestos kills all germs“ bewusst Werbesprache und ruft zugleich die Einlassungen des US-Präsidenten zu Bleichmitteln während der Pandemie in Erinnerung.

Aus Widerspruch wird die resignierte Verwaltung der eigenen Erschöpfung

Musikalisch öffnen sich die beiden: THE DEMISE OF PLANET X ist ihr bislang vielschichtigstes Album, sie scheinen den Ruf einer Lo-Fi-Band endgültig loswerden zu wollen. Es entstand an verschiedenen Orten, mit erweiterten Produktionsmitteln und zahlreichen Gästen. „Double Diamond“ montiert Soundtrack-Ästhetik neu, „Elitest G.O.A.T.“ mit Aldous Harding schiebt sich mit flirrenden Obertönen in Richtung Synthiepop, während der Bass zurück in den Northern Soul der 1960er-Jahre weist.

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Am Ende, in „The Unwrap“, steht die Müdigkeit. Die Szene erscheint eine leergelaufene Wiederholung zu sein, der eigene Furor beinahe Routine. „Same old boring cunt in a band“, lautet die Selbstdiagnose: Aus Widerspruch wird die resignierte Verwaltung der eigenen Erschöpfung. Wer das nicht kennt, werfe den ersten Stein. Ach nee, ist viel zu anstrengend.

Diese Review erscheint im Musikexpress 2/2026.