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Str4ta Aspects


Brownswood/Rough Trade (VÖ: 26.6.)

von

Brit-Funk, das elektronisch-jazzige Club-Genre der späten 70er- und frühen 80er-Jahre, ist wieder sehr da! Kein Geringerer als der so ziemlich spannendste HipHopper der Gegenwart, namentlich Tyler, the Creator, hat es sogar unumwunden zugegeben: „Shout out to all the British funk from the 80ies that I try to copy“, sagte Tyler 2020 in einer Dankesrede.

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Und das Spiel mit queerer Fluidität, das der Funk einst in die britische Clubszene gebracht haben muss, gepaart mit einer stolzen schwarzen Identität, das passt ja auch ganz wunderbar zu Tyler. Wenn die beiden Langzeit-Kumpels Gilles Peterson und Jean- Paul „Bluey“ Maunick nun auf ihrem Debütalbum unter dem Projektnamen Str4ta den Brit-Funk vortrefflich feiern, dann spürt man zum einen, wie organisch-vertraut sie miteinander grooven, denn unter anderen Namen kooperieren sie seit Dekaden.

Die Tracks eignen sich zum Skaten, aber auch für nächtliche Autotouren

Man spürt aber auch, dass der britische Funk kein Inselphänomen ist: Die Tracks, die sich tagsüber zum Skaten, aber auch für nächtliche Autotouren bestens eignen, bei denen man chillen, aber auf keinen Fall wegdämmern will, fühlen sich erstaunlich international an: So manche Hook von ASPECTS gemahnt an Kylie Minogue. Der Softsex-Wabberbass hat etwas vom temporären kalifornischen Yacht rock à la Thundercat.

Die Keyboard-Harmonien erinnern aber auch an die andere Seite des Pazifiks, an japanischen Boogie-City-Pop à la Yellow Magic Orchestra. Darauf gibt es verschlurfte Vocals, Samba-influenzierte Percussion, Saxofon und Flöten, und das alles mit einem Acid-Jazz-Tanzbodenpotenzial, wie es im Berliner Underground aktuell auch Kuf wiederbeleben. Was sie alle eint, und damit glänzen eben auch Str4ta: So spannungsvoll und dabei doch entspannt – das ist der ganz schmale Grat, das ist die ganz große Kunst. Funk me!


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