The Fall
FALL HEADS ROLL
Cherry Red/Edel (VÖ: 27.3.)
Post-Punk: Eine der kurzlebigsten Besetzung in der 40-jährigen Bandgeschichte sorgt für einige große Momente.
Köpfe rollten ja immer mal wieder in der Geschichte der 1976 in Manchester gegründeten Post-Punks. Bis zur Jahrtausendwende konnte Alleinherrscher Mark E. Smith seine Hire & Fire-Manie noch kontrollieren, danach wütete der Songwriter wie ein Despot aus „Game Of Thrones“. Natürlich gab es keine Toten, aber der Frontmann konnte schon bösartig werden. Als The Fall Anfang 2005 ins Studio von Lisa Stansfield gingen, schien noch alles in Ordnung. Eine wunderschöne Akustikballade ist ihnen da mit „Early Days Of Channel Führer“ gelungen, ein zackiger Ska („Ride Away“) und eine herrlich rumpelnde Up-Tempo-Nummer wie „What About Us?“.
Und dann ist da noch das unfassbar gute und grollende „Blindness“, ein klassischer Fall-Song, den Smith später schon schwer gezeichnet im Rollstuhl live und auch bei „Later“ von Jools Holland spielte. Trotzdem: Als Teile der Band genug hatten von den Launen ihres alkoholkranken Chefs, stiegen sie mitten in einer US-Tournee aus. Von Smith gallig kommentiert: „Das Beste, was je passieren konnte.“ Vorher wurden noch etliche Demos im Chapel Studio eingespielt, die sich komplett auf der 4-CD-Box FALL HEADS ROLL mit seinen exzellenten Liner Notes wiederfinden. Smith hat sie nie veröffentlicht, bezeichnete das Material zynisch als „The great lost album. What a load of shit.“
Zumindest der erste Satz ist korrekt, und immerhin: Seine dritte Ehefrau, die Keyboarderin Elena Poulou, wurde von seiner Kritik verschont. Sie blieb ihrem Gatten bis gut ein Jahr vor seinem Tod treu, war auch bei jener Peel-Session im Jahr 2004 zugegen, die sich hier mit vielen alternativen Takes auf einer weiteren, richtig guten CD finden. Diese Bandbesetzung hätte jedenfalls nettere Worte vom Meister verdient gehabt.


