The Neon Demon Regie: Nicolas Winding Refn


USA 2016, Start: 24. Juni 2016

Die Geschichte von „The Neon Demon“ grenzt schon an das Klischeehafte: Jesse, gespielt von der zum Zeitpunkt des Drehs 16-jährigen Elle Fanning, ist jung, wunderschön und unschuldig – und träumt von einer großen Model-Karriere. Um ihren Traum wahr zu machen, zieht Jesse nach Los Angeles und verliert sich immer mehr in den Intrigen der aufgesetzten Plastik-Welt. Es klingt fast wie Material für einen Teenage-Kitsch-Streifen, was „Drive“-Regisseur Nicoalas Winding Refn als Gechichte seines neuen Films „The Neon Demon“ anbietet.

„The Neon Demon“ ist für Refn allerdings eine Abrechnung: mit der Modewelt, ihrer Oberflächlichkeit und unerbittlichen Konkurrenz hinter der Kulissen. Verpackt wird das in einem sexuell aufgeladenen, hoch stilisierten aber gleichzeitig ebenso glattpolierten Mode-Thriller, der zwar unverkennbar Refns Handschrift trägt, aber sich zu sehr auf sein Äußeres verlässt – genau wie die Welt, die der Regisseuer aufs Korn nimmt. Und obwohl Refn dem Zuschauer am Ende den moralisch erhobenen Zeigefinger erspart und lieber die Bilder sprechen lässt, bleibt die Story um das aufstrebende Modell Jesse zu berechenbar – da helfen auch keine eingestreuten Schock-Sequenzen.

Refn verlässt sich zu sehr auf die durchgestylte Präsentation und tarantinoesken Splatter. Und so ist die visuelle Umsetzung der eigentliche Star des Films. Elle Fanning („Trumbo“) und Nebendarstellerin Jena Malone („Die Tribute von Panem“, „Stolz und Vorurteil“) verblassen geradezu vor der Inszenierung: Blitzende Stroboskope, satten Farben und der wunderbar kontrastreiche Look bleiben im Gedächtnis – Dialoge eher nicht. Die Kameraarbeit von Natasha Braier ist das Highlight – Refn schafft es aber zu selten, diese während den 117 Minuten Laufzeit auch sinnvoll mit Inhalt zu füllen. Gepaart mit dem geringen Momentum des Films, entwickelt sich „The Neon Demon“ nach kurzer Zeit in ein anstrengend schleppendes Style-Spektakel.

Kooperation

Die Botschaft, die Refn in „The Neon Demon“ kommuniziert und bis zum Over-The-Top-Finale dem Zuschauer unmissverständlich klar zu machen versucht, ist dabei keine neue: Er zeigt Frauen, die wie Objekte gehandelt, in sterilen Räumen auf ihre Tauglichkeit begutachtet und wie abgelaufene Ware im Supermarkt aussortiert werden. Ein Botschaft, die allerdings bereits nach kurzer Zeit auserzählt ist und im weiteren Verlauf nur noch auf eine groteske Spitze getrieben wird.

Die glitzernde Mode-Welt und die Sehnsucht nach Schönheit – das Szenario von „The Neon Demon“ ist eines, dass dem für seinen unverkennbaren und bildgewaltigen Stil bekannten Regisseur wie auf den Leib geschneidert scheint. Nur verliert sich Refn zu sehr in der Ästhetik und dem Versuch, einen Kommentar abzugeben. Und lässt die Geschichte dabei auf den hinteren Rängen zurück.

Anschauen: Exklusiver Clip zu „The Neon Demon“


ÄHNLICHE KRITIKEN

Gus Dapperton :: Where Polly People Go To Read 

Pop als Wundertüte, fein arrangiert von einem Internet-Phänomen. 

Stealing Sheep :: Big Wows 

Kritik an der digitalen Überinformationsgesellschaft mit affirmativem Elektro-Pop.

Wand :: Laughing Matter

Psych-Garage-Rock auf der Suche nach der Liebe in Zeiten des Unheils: Bisschen den Fokus zu verengen, hätte hier Wunder bewirkt. 


ÄHNLICHE ARTIKEL

Wutausbrüche, Massenauflauf und große Kunst: „Christo – Walking on Water“

Die Doku zeigt einen Künstler und seine Crew kurz vor dem Nervenzusammenbruch, aber auch 20.000 Menschen, die gleichzeitig über’s Wasser laufen.

„Leaving Neverland“: So schlecht fühlt man sich nach der Jackson-Doku

Mit Wade Robson und James Safechuck werden zwei Männer interviewt, die aussagen, sie wären jahrelang von Michael Jackson missbraucht worden. Am 6. April wird die Doku um 20.15 Uhr via ProSieben ausgestrahlt. „Lohnt“ sie sich?

Darum könnt Ihr Euch die 2. Staffel von „The OA“ schenken

Seit dem 22. März gibt es bei Netflix neue Folgen der Mysteryserie „The OA“. Nach dem Überraschungserfolg 2016 folgt nun ein Wirrwarr ohne Aufklärung.


„Leaving Neverland“: So schlecht fühlt man sich nach der Jackson-Doku
Weiterlesen