Album der Woche

The Range Potential


Domino/GoodToGo, 25.03.2016

James Hinton gehört zu den Leuten, die sich nächtelang in den dunkelsten Ecken von YouTube rumtreiben und bei ihren Surftouren vom digitalen Hölzchen aufs Stöckchen kommen. Er sucht hypnotische Momente, die sich in einem kurzen Gesang, einer Spoken-Word-Passage oder einer seltsamen Stimme eines Unbekannten auftun können. Unter dem Namen The Range hat der Produzent seine Internet-Fundstücke bereits in Breakbeat- und Downtempostücke gespeist, mit dem neuen Album POTENTIAL erklärt er die Faszination für das schwer Erklärliche zum Konzept: Gesampelte Stimmen aus Bedroom-Videos illuminieren seine zwischen Footwork, HipHop, Grime und R’n’B changierenden Aufnahmen, und manchmal entsteht dabei ein Club-Track.

Hinton arbeitet mit diesen Stimmen ganz ähnlich wie David Byrne und Brian Eno vor 35 Jahren auf MY LIFE IN THE BUSH OF GHOSTS; er bedient sich des Mediums, das ihn mit der Welt verbindet. Bei Byrne und Eno waren es die Stimmen von Sängern und Predigern, die sie im Radio fanden und in den Kontext ihres Kitchen-Funk stellten. Bei Hinton sind es die dünnen Äste des digitalen Gestrüpps, und einige dieser der Öffentlichkeit unbekannten „Partner“ kommen aus Orten, die der Produzent nie besucht hat. Ihre Stimmen signalisieren Ferne, im selben Moment aber kommen sie so nah: „Right now I don’t have a backup plan for if I don’t make it. But even if … I’ll just decide to move on to something bigger and better.“

Die Worte stammen von dem britischen MC SdotStar (in diesem Moment hat sein „Apologies + Quick Acappella“-Video gerade einmal 752 Aufrufe), sein Gesicht ist kaum erkennbar, er sitzt in einem nicht gut ausgeleuchteten Raum. MC SdotStar eröffnet POTENTIAL, und wenn die Jungle-Beats und Tiefen-Bässe sich unter den von ihm angedeuteten Rap schieben, entsteht ein Track. Das Private und das Öffentliche, das Unfertige, Ungeschickte und das professionell Vermarktbare, das Natürliche und das Künstliche sind nur einen Mausklick voneinander entfernt. Herkünfte und Analysen verwischen im großen Soundpool und eröffnen uns neue Geschichten.


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