t-low in Berlin: Die Show, die niemand erwartet hatte – Review
Keine Playback-Show, alles echt: t-low überzeugt beim Berlin-Konzert der „REAL MUSIC TOUR“.
Kaum ein Künstler hat einen so großen musikalischen Output wie der 24-Jährige. Im November 2025 brachte t-low sein neues Album REAL MUSIC heraus – das neunte seit seinem Debüt im Jahr 2021. Zur Promotion der Platte kündigte der aus Schleswig-Holstein stammende Rapper auch eine Tour an, die „REAL MUSIC TOUR“ – zur Freud und zur Überraschung seiner Fans. Denn live war es um den „Sehnsucht“-Interpreten in den vergangenen Jahren eher stiller geworden.
Seine Alkohol- und Drogenproblematiken waren zuvor bei vielen seiner Live-Auftritte unübersehbar gewesen. Durch den hohen Playback-Anteil standen die Konzerte zudem oft in der Kritik. Das soll jetzt anders sein. Hier die Review zur Berlin-Show im Januar 2026.
Vier Städte, vier Shows – t-low auf kleiner Tournee
Bereits 2025 begleitete der Rapper Paula Hartmann bei ihrer Tournee und unterstützte sie beim gemeinsamen Song „Sag was“. Nach diesen kleinen, 30-sekündigen Auftritten gab t-low nun sein Solo-Live-Comeback. Die „REAL MUSIC TOUR“, die erste seit 2023, ist eine eher klein gehaltene Tour: Sie umfasste lediglich vier Konzerte in der zweiten Januarwoche 2026. Köln (13.01.), München (14.01.), Berlin (16.01.) und Hamburg (17.01.).
Die Tour-Ankündigung auf Instagram löste Vorfreude aus:
Keule eröffnet mit melancholischem HipHop
Eröffnet wird der Abend von Keule. Der Newcomer ist eigentlich nicht mehr ganz new, sondern mittlerweile im deutschen HipHop-Underground fest etabliert, aber hier eben doch der Opening Act. „RIP YUNG BRUH“ steht auf seinem T-Shirt, eine ironische Anspielung auf das Ende der musikalischen Ära des US-amerikanischen Rappers Jazz Ishmael Butler als Yung Bruh. Dieser änderte 2016 seinen Künstlernamen zu Lil Tracy. Keules Musik lässt sich gut als melancholischer HipHop beschreiben. Mit ordentlichen Bässen, minimalistischen Beats und persönlichen Inhalten spielt er die Titel seiner zweiseitigen, auf dem Boden festgeklebten Setlist. Seine Texte sind sprachlich leicht, behandeln aber gar nicht so leichte Themen. So erzählt der Flensburger von seiner Angststörung, die er mittlerweile größtenteils überwinden konnte. „Ich hab keine Angst mehr, nur vor mir selbst“, singt das Publikum mit und hält Handylichter – und Feuerzeuge! – in die Luft. Es scheint, als brächte die Gen Z nicht nur Vinyls zurück in WG-Zimmer, sondern auch die Feuerzeuge wieder auf Konzerte. Am Ende seines Sets angekommen, stimmt der Musiker ein paar Zeilen aus „Lass mich nicht los“ an – ein Song seines Schirmherrn, um den es an diesem Abend geht: t-low. Und dann: Während der Pause werden die zwei Setlist-Seiten durch fünf Setlist-Seiten ersetzt.
Der große Auftritt: Bescheiden statt spektakulär
Nach der knappen Stunde und 15 Minuten läuft die Nebelmaschine, das Drumpad am Schlagzeug leuchtet und um 21:15 Uhr beginnt die eigentliche Show, die der große „REAL MUSIC“-Banner auf der Rückseite der Bühne bereits angekündigt hat. Die E-Gitarren-Melodie vom Intro von „Sorry Mama“ erklingt, aus dem Off beginnt t-low die ersten Zeilen zu singen und läuft dann in das spärliche Schwarz-Weiß-Licht lässig und entspannt auf die Bühne. Dieser Auftritt ist anders, bescheidener und persönlicher, als man es von anderen Rap-Konzerten kennt, auf denen das Rapper-Ego erstmal durch einen spektakulären Auftritt, fallenden Vorhang, DJ-Sirenen und kreischende Fans poliert werden muss (ich nenne keine Namen).
t-low performed seinen Song „Sucht“:
Moshpit und Lichter: 80 intensive Minuten
Nach den ersten beiden Songs startet der Rapper einen Awareness-Aufruf und verweist auf Ansprechpersonen, wenn sich jemand unwohl fühlen sollte. Er würde dann sofort unterbrechen – ein Versprechen, dem er tatsächlich mehrere Male nachkommen muss, denn das Kesselhaus in der Kulturbrauerei erweist sich als herausfordernd für die Kreisläufe einiger junger Fans.
In den nächsten 80 Minuten spielt t-low ganze 22 Songs inklusive Zugabe. Dabei schafft er einen Mix aus Klassikern und seinen neuesten Songs, ruhigerer und Abriss-Stimmung. Bei Hits wie „Crashen“ gibt es Moshpits, bei gefühlvolleren Songs wie „Paranoid“ gibt es Mitsingen und Lichter. Vor „6Drinks“ berichtet der Rapper von seiner persönlichen Krise ums Musikmachen. Er sei fast entschlossen gewesen, aufzuhören, bevor er seine beiden Bandkolleg:innen Julien und Mary traf, die mit ihm das neue Album produzierten, so t-low.
Die gesamte Setlist im Überblick:
- Sorry Mama
- Champagne rain
- Crashen
- Leid
- Bitte lass mich nicht los
- Xanax doin damage
- Druggy popstar
- Irgendwie
- We Made It
- Camera flashlights
- Augen zu
- 6drinks
- Paranoid
- Geh allein
- Geh allein 2
- ATM
- Limit
- Letzten Tage
- sucht
- Better days
- Outro
- Sehnsucht
Mehr als Mixtapes
Im Interview mit Aria Nejati berichtete der Rapper bereits kürzlich davon, dass seine vorigen Alben eher Mixtapes seien und hinter REAL MUSIC nun mehr Gedanken und Musikproduktion stecken. In seinen Texten geht es auch auf dem neuen Album viel um Herzschmerz, Liebe und Drogen, allerdings schlägt der 24-Jährige andere Seiten auf. Das verspricht er auch in seinem Interlude „Loner“, das auch an diesem Abend zwischen zwei Songs ertönt: „Ich hab weitaus mehr zu erzählen. Ich möchte Menschen zusprechen, die Loner sind, genau wie ich auch. Manchmal ist Aufstehen schon zu schwer, zu depressiv um aufzuräumen. Ihr seid nicht alone.“ Die Reaktionen des Publikums zeigen: Der Rapper spricht vielen aus der Seele.
Im Interview mit Aria Nejati:
Studiorapper als Live-Künstler
t-lows neuer Weg zeigt sich auch live: Früher versammelten sich auf t-low-Konzerten viele Leute auf der Bühne. Das Mischpult war überfüllt durch Alkoholflaschen, es wurde geraucht, gekifft, gefilmt. Ganz anders 2026. Neben dem Rapper stehen ein Gitarrist und ein Schlagzeuger mit dem „We made it“-Star auf der Bühne. t-low wirkt ruhig, nüchtern, dankbar und kann so tatsächlich ein vorher nicht gesehenes Live-Talent entfalten. Alle Texte seiner Songs singt und rappt er live und on point. Damit schlägt er auch die lautesten kritischen Stimmen, die ihn 2021 noch als „Corona-Studio-Rapper“ bezeichneten. Auch die Zeiten, in denen der Itzehoer so wie bei seiner letzten „Life is a Highway Tour“ betrunken ins Mikrofon lallt und auf Autotune und Playback zählen muss, sind vorbei.
Fazit: Ein Neuanfang, der überzeugt
Nach der Zugabe „Sehnsucht“ kann das Publikum ausgepowert den Saal verlassen. Insgesamt ein mehr als gelungenes Konzert, das den neuen Vorsätzen des Musikers würdig wird. Er zeigt lyrische Tiefe, seine Rap-Künste und beweist Live-Talent. Bitte weiter so, t-low, wir alle haben uns Sorgen um dich gemacht.




