Texas: keine Eintagsfliege

GLASGOW. Die Band aus Glasgow schien auf dem besten Wege, als Eintagsfliege zu enden. Drei Jahre nach ihrem sensationellen Debüt war es still geworden um die schottische Gruppe, die mit ihrem schwerblütigen Blues-Rock so gar nicht in modische Schubladen passen wollte. Zumindest in ihrer Heimat aber hat man Texas nicht vergessen. Zudem hatte Frontfrau Sharleen Spiteri an diesem Abend Geburtstag und wurde gebührend gefeiert.

Die Ständchen, die ihr da entgegengeschmettert wurden, schienen sie nur noch mehr zu beflügeln. Von den ersten wohlvertrauten Bottleneck-Gitarrentönen von Ally McErlaine im Intro des Hits „I Don’t Want A Lover“ war das Publikum voll bei der Sache. Selten erlebt man eine solch emotionale Bindung zwischen Musikern und Zuhörern. Sharleen und Ally als die Identifikationsfiguren leben diesen erdigen Sound, für den die Inspirationen bis zurück zu Bluesmeistern wie Robert Johnson gehen. Die Helden der Bandmitglieder, ob Jimi Hendnx, Led Zeppelin oder auch Dylan und Neil Young, sind immer gegenwärtig, aber nie geht es Texas um ein modisches Revival, um bunte psychedelische Kleider und Showeffekte á la Lenny Kravitz. Hier heißt die Losung Ausleben von starken Gefühlen. Da versucht Sharleen ihre bohrenden Zweifel an einer Beziehung zu Gitarren-Riffs á la Jimmy Page und groovendem Wurlitzer-Piano (seit den seligen Zeiten der Small Faces so nicht mehr gehört) abzuschütteln, sich den Frust bei „Fadeaway“ von der Seele zu schreien. Im kraftvollen Blues „I Wanna Go To Heaven“ probiert sie sich ein wenig Himmel auf Erden zu ersingen. Und mit Fortdauer des Konzertes bekommen immer mehr Titel einen unüberhörbaren Gospeltouch. Den obligatorischen Chor steuert das Publikum bei. die Andacht gleich dazu. Da fällt es Sharleen leicht, zu schlichter akustischer Gitarre ihren unaufdringlichen und doch intensiven Seelenstriptease zu Ende zu bringen. Bei der Ballade „Im So In Love With You“ ist die kollektive Gänsehaut gesichert.

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