The Metallica Podcast: Die Entstehung des schwarzen Albums episch ausgebreitet

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Der 12. August 1991 ist ein Tag für die Musikgeschichtsbücher. Damals erschien das fünfte Studioalbum von Metallica. Der Nachfolger von … AND JUSTICE FOR ALL hieß schlicht METALLICA, wurde aufgrund des Covers aber schnell als „das schwarze Album“ oder das „Black Album“ betitelt. Heute ein Klassiker, empfanden viele frühe Fans die zwölf neuen Songs fast als eine Art Affront. Wo war der Thrash Metal der Anfangstage? Warum waren diese Songs so kompakt? Und seit wann kann James Hetfield denn SO singen?

Kirk Hammett: „‚Enter Sandman‘ erschien mir nie als ein Hit.“

Trotzdem spürten wohl auch die Skeptiker: „Enter Sandman“, „Sad But True“, „Wherever I May Roam“ und sogar die erste richtige Metallica-Ballade „Nothing Else Matters“ waren verdammt starke Songs. Doch selbst die Band war skeptisch, wie das schwarze Album ankommen wird. Lead-Gitarrist Kirk Hammett erzählte Ende letzten Jahres in einem Videointerview für Gibson TV: „‚Enter Sandman‘ erschien mir nie als ein Hit. Keines dieser Lieder erschien mir jemals als Hit. Sie erschienen mir eher als wirklich gute, kompakte Songs mit tollen Phasen der Härte und großartigen melodischen Passagen. Und als das Album anfing, sich so zu verkaufen, wie es das tat, konnte ich es nicht glauben. Ich hatte sogar eine Wette mit unseren Tourmanager. Er sagte: ‚Es wird sich bis zu diesem Datum sechs Millionen Mal verkauft haben.‘ Und ich meinte nur: ‚Ich gebe dir meinen Porsche 911 Carrera, wenn das passiert.‘ Und ratet mal: Es ist passiert. Und ratet weiter: Ich musste ihm meinen Porsche 911 Carrera geben.“

An der Sache mit dem Porsche merkt man schon, dass Metallica bereits damals gut im Geschäft waren. Das massive MTV-Airplay ihres Videos zu „One“ und die große Tour zu …AND JUSTICE FOR ALL hatten ihr Publikum bereits immens vergrößert. Aber das schwarze Album sollte das alles noch einmal toppen: Es wurde in gleich zehn Ländern die allererste Metallica-Nummer-1 in den Albumcharts und machte Metallica zur wohl erfolgreichsten Metalband der Welt.

Oral History mit allen damals aktiven Bandmitgliedern

Zur Einstimmung auf die diversen Jubiläums-Veröffentlichungen startete vor einigen Tagen der offizielle „The Metallica Podcast: Volume 1 – The Black Album“ – eine Kooperation mit Amazon, die aber auf allen gängigen Plattformen zu finden ist. In den gut einstündigen Folgen kommen nicht nur alle damals beteiligten Bandmitglieder zu Wort (also auch Ex-Bassist Jason Newsted, der ein wenig grumpy klingt), auch Roadies, Manager, musikalische Wegbegleiter wie Alice Cooper und Produzent Bob Rock – der nach Aussagen der Band großen Einfluss auf ihre Arbeitsweise hatte. Am Ende einer jeden Folge gibt es einen Song aus der Deluxe-Jubiläumsbox zu hören. Eine spannende Oral History, bei der Lars Ulrich, James Hetfield und Kirk Hammett eine erstaunliche Harmonie zeigen – die man ja immer noch ein wenig anzweifelt, wenn man die Doku „Some Kind of Monster“ gesehen hat. Auch die Saufexzesse, die der Band zeitweise in Live-Kreisen den Namen Alcoholica einbrachten, werden zumindest angedeutet. Im Grunde bleibt man jedoch bei der Musik – jagt noch einmal durch die ersten Jahre und das gemeinsame Kennenlernen und legt anschließend dar, wie es passieren konnte, dass Metallica dermaßen radikal und kommerziell erfolgreich ihren Horizont erweiterten.

Üppige Neuveröffentlichungen für einen guten Zweck

Die offiziellen Re-Issues des schwarzen Albums (Remastered Version und diverse üppige Deluxe-Boxen) und auch das Cover-Album THE METALLICA BLACKLIST erscheinen leicht zeitversetzt am 10. September 2021 bzw. am 01. Oktober 2021. Vor allem letztgenanntes dürfte spannend werden. Immerhin covern über 50 Acts aus allen Genres ihren Lieblingssong vom schwarzen Album – darunter auch Phoebe Bridgers, OFF!, Miley Cyrus, Elton John, der Latin-Pop-Star Juanes und Kamasi Washington.

Sehr sympathisch ist dabei die Einsicht, dass Metallica schon genug Geld verdient haben in ihrer Karriere: Sämtliche Einnahmen aus dem Verkauf des „The Metallica Blacklist“-Albums fließen in einen Topf, der zu gleichen Teilen zwischen der „All Within My Hands Foundation“ von Metallica sowie über 50 weiteren gemeinnützigen Institutionen aufgeteilt wird, die von den anderen beteiligten Künstler*innen ausgewählt wurden. Metallica gründeten ihre eigene „All Within My Hands Foundation“ im Jahr 2017, um denjenigen Gemeinden etwas zurückzugeben, von denen die Band besonders viel Unterstützung bekommen hat. Konkret setzt sich die Stiftung unter anderem für die Weiterbildung von Arbeitskräften, den Kampf gegen Hunger und für andere lokale Initiativen ein. Das ist doch schöner, als wieder einen Porsche zu verwetten …

 


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