The Rolling Stones

46 Weniger wohlwollende Zeitgenossen behaupten, „Between the Buttons“ habe nur deshalb mehr als eine Handvoll Einheiten verkauft, weil Jagger und Richards kurz nach der Veröffentlichung des Albums zum ersten Mal wegen Drogenmißbrauchs hinter Gitter kamen. Und deshalb jede englische Zeitung tagelang nichts anderes im Sinn hatte, als endlich das von britischen Eltern lang erwartete Jüngste Gericht über die Band anzukündigen. Fest steht auf jeden Fall, daß „Between the Buttons“ nach den Knallern „Out OfOur Heads“ und „Aftermath“ genau das war. was man von den Stones nicht erwartet hatte. Auf „Between the Buttons“ sind keine umfrisierten Rhythm ’n‘ Blues-Klassiker. Auf „Between the Buttons“ sind auch keine Revoluzzer-Hymnen wie „Satisfaction“ oder „Get Off Of My Cloud“. Und mit „Yesterday’s Papers“ ist das Album auch eigentlich die einzige Stones-Platte, die nur einen Single-Hit abwarf. Stattdessen gibt’s einen ironischen Parforce-Ritt durch die Songwriting-Kunst der späteren Glimmer-Twins Jagger und Richards, die hier irische Flöten, Akkordeon und Tuba unter einen Hut bringen. Rotzfrecher Rock ’n‘ Roll und eine Menge merkwürdiger Folk-Anleihen durchziehen die Platte wie ein roter Faden. Großmaul Jagger zieht (wie bis heute) über Frauen her und kommt beim schönsten Stück des Albums. „Back Street Girl“, fast .schon an „Angie“-Niveau heran. Und Charlie Watts hat hinten auf das Cover einen kleinen Comic gezeichnet: „.Between the Buttons’starled as a laugh, but pretty soon turned into afarce“. Dennoch: Das Album markiert die Abkehr der Stones vom reinen R&B und die wichtigsten Emanzipations-Schritte von Richards & Jagger als eigenständige Song-Schreiber.

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