The Singles


Wir begrüßen die Rückkehr von Chloé zum Label BPitch Control mit der 12inch "Watch Out" (BPitch Control/Rough Trade) ausdrücklich. Der Titeltrack ist eine tech-housige, fast zehnminütige Mini-Sinfonie, reduziert bis auf die Beat-Knochen, aber von einer unglaublichen Funkyness. Auf den B-Seiten "Chatterbox" und "The Shift" setzt die Pariser Produzentin die knochentrockene Dancefloor-Minimal-Arbeit fort. Wir sind begeistert.

Und nun zu unseren liebsten Retromanikern, der New Yorker Band Crystal Stilts. Die ist sich auf ihrer aktuellen EP „Radiant Door“ (Sacred Bones/Cargo) ziemlich „treu geblieben“: Psych-Pop mit Shoegaze-Anmutung aus den tiefsten Hallräumen der Sixties. Vor allem der Opener „Dark Eyes“ sticht ins Ohr, weil er mit einer Hippie-Romantik kokettiert, die wir bisher bei Crystal Stilts so noch nicht wahrgenommen haben, während „Still As The Night“ ein Mittsechziger-High-School-Abschlussparty-Dingens ist. Diese Band bleibt ein Rätsel. Und das ist auch gut so.

Wir freuen uns zunächst darüber, dass der Berliner DJ Kaos seine Musik im DFA-Kosmos nicht mehr auf einem ausgrenzenden Ausländer-Only-Label veröffentlichen muss, sondern seine aktuelle 12inch „From Inside“ (DFA) beim Hauptlabel herausbringen darf. Die Originalfassung des Titeltracks zitiert so viel Kraftwerk, dass es dem Schreiber dieser Zeilen schwindelig wird, Kaos aber setzt diese Mitt- bis Endsiebziger-German-Electronica-Anleihen in einen Post-Discoiden Kontext, sodass niemand meckern kann. Auf der B-Seite gibt es zwei noch DFA-igere Mixe von Tiago. Aufgenommen in Conny Planks Studio.

Auf vielfachen Fanwunsch lässt Fritz Kalkbrenner auf „Wes“ (Suol/Rough Trade) zwei Tracks in schwarzes Gold gießen, die eigentlich nur für seine Live-Sets bestimmt waren und nicht für die Tonkonserve. „Wes“ ist ein Dancefloor-Filler, der – wie bei Fritz Kalkbrenner üblich – nie den direkten Weg geht, sondern ein paar augenzwinkernde, selbstironische (melodische) Unüblichkeiten aufweist. „Layercake“ auf der B-Seite relaxiert mit Gitarre auf einer balearischen Grundstimmung daher.

Seit fast zwei Jahren hält sich das von Daddy G angeheizte Gerücht, dass Dubstep-Veteran Burial aus South London das jüngste Massive-Attack-Album Heligoland remixen würde. Jetzt ist daraus zumindest zu einem Teil Wahrheit geworden. „Four Walls / Paradise Circus“ (http://massiveattack.com) von Massive Attack & Burial enthält auf der B-Seite einen neubearbeiteten Track („Paradise Circus“) des Heligoland-Albums. Der auf der A-Seite ist bisher unbekannt. In beiden Tracks legt Burial düster-verhangene Verbindungen von South London nach Bristol dar, deren Existenz wir natürlich schon längst geahnt haben. Die 12inch ist ultralimitiert, handnummeriert und mit Goldglitzer-Cover versehen.

Stammgästin in dieser Rubrik: Aérea Negrot, Sängerin bei Hercules & Love Affair, mit ihrem Solowerk. Konzentrieren wir uns bei ihrer neuen 12inch „It’s Lover, Love Remixes“ (BPitch Control/Rough Trade) auf einen Track: den epischen, fast 14-minütigen Remix des Titeltracks von Ricardo Villalobos. Der Überproduzent aus Berlin hat das Original in seiner bewährten Art zu Kleinholz gemacht und verfeuert die Einzelteile auf dem Dancefloor. Polyrhythmische Beat-Schichten und wohltuende Bassmassagen. Dazu die gespenstisch wirkenden Soundfetzen von Aérea Negrots Gesang.

Lange Zeit in der Schwebe, jetzt endlich in Polyvinylchlorid gepresst: „Like The Way You Should“ / „Obeah Room“ (On-U-Sound/Cargo) von Lee Perry Vs Digital Mystikz. Mala vom auch schon legendären South-London-Produzentenduo Digital Mystikz hat zwei Tracks der ohnehin tieftönenden Reggae-Dub-Legende Lee „Scratch“ Perry noch ein bisschen tiefer gelegt. Vor allem auf der abstrakteren B-Seite „Obeah Room“ fahren die Bässe in die Magengrube. Auf „Like The Way You Should“ hält Mala diese leicht melancholische Stimmung aufrecht, die durch Lee Perrys Gesang in Tateinheit mit dem Klavier erzeugt wird. „Don’t sell your soul for silver and gold“, rät der Reggae-Altmeister hier. Und wie fast immer hat er recht.

Die „Aue“ und der „Pirol“ stehen im Mittelpunkt des zweiten Teils der digitalen Erzählungen aus dem deutschen Wald von Stefan Betke aka Pole: „Waldgeschichten 2“ (Pole/Kompakt). „Aue“ auf der A-Seite bedient sich einer eher konkreten dubbigen Ästhetik und Klarheit, während Pirol auf der B-Seite mit einem funky Minimal-Groove in die abstrakteren Regionen der Maschinenmusik hinauffährt. Wir sind gespannt auf die weiteren Folgen der Serie.