Spezial-Abo

Kritik

„The Umbrella Academy“ (Staffel 2) auf Netflix: Auf Selbstsuche in den Sechzigern

von

Eigentlich kommen die neuen Folgen genau zur rechten Zeit. Da dieser Sommer aus allseits bekannten Gründen ohne große Superheld*innen-Blockbuster auskommen muss, könnte die zweite Staffel der „Umbrella Academy“ als willkommener Ersatz herhalten. Doch auch wenn die Hargreeves-Geschwister teilweise zu Recht mit den X-Men und den Avengers verglichen werden, geht es in ihrer Geschichte eigentlich gar nicht so sehr um ihre Superkräfte, sondern um das Zurechtkommen mit einer beängstigenden Vita und das (Über-) Leben in einer dysfunktionalen Familie. Jetzt noch mehr als zuvor.


An dieser Stelle findest du Inhalte von YouTube

Um mit Inhalten von YouTube zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.
Socials aktivieren

Zur Erinnerung: Wie 36 weitere Kinder allesamt im Jahr 1989 unter mysteriösen Umständen geboren, wurden die Sieben vom verschrobenen Milliardär Reginald Hargreeves (Colm Feore) adoptiert, der sie in der titelgebenden „Umbrella Academy“ im Kampf für das Gute trainierte. Während Luthers/Nummer 1′ (Tom Hopper) offensichtliches Talent seine übermenschlich großen Muskeln sind, kann Diego/Nummer 2 (David Castañeda) besonders gut mit Messern umgehen. Allison/Nummer 3 (Emmy Raver-Lampman) kann durch ihr Flüstern den Willen anderer Menschen beeinflussen, Klaus/Nummer 4 (Robert Sheehan) hingegen kann Tote nicht nur sehen, sondern auch mit ihnen sprechen – so auch mit Ben/Nummer 6 (Justin H. Min). Und während der namenlose Nummer 5 (Aidan Gallagher) durch die Zeit reist, schien Vanya/Nummer 7 (Ellen Page) lange keinerlei Kräfte zu besitzen. Väterliche Liebe stand bei alldem allerdings nicht auf dem Ausbildungsplan – entsprechend hadern alle Kinder bis heute mit ihrer Existenz. Wohl auch, weil sie weiterhin keine Ahnung davon haben, warum es sie überhaupt gibt.

Mehr Mensch als Superheld*in

Kein Wunder also, dass es die erwachsenen Geschwister in alle Himmelsrichtungen verschlagen hatte und sie erst als ihr Vater gestorben war, wieder aufeinandertrafen. Ebenso wenig überraschend ist, dass die erste Staffel sehr viel Zeit darauf verwenden musste, in dieses weite Szenario einzuführen. Obwohl von Anfang an mit einem poppigen Stil inszeniert, sorgte der weite Bogen für einige Längen. Von einer stereotypen Charakterzeichnung ganz zu schweigen. Nun könnte man anmerken, dass es in jedem Superheldenstreifen den Kräftigen, die Schnelle, den Gedankenleser et cetera gibt; dass diese Figuren nie viel mehr sind als ihre Fähigkeit. Aber „The Umbrella Academy“ versucht ausdrücklich mehr zu sein als das.



„Dark“: So endet die Serie nach Staffel 3 | Das ist das Schicksal ihrer Figuren
Weiterlesen