Umstrittener Auftritt von Israel beim Eurovision Song Contest 2026
Die ESC-Performance von Israels Teilnehmer Noam Bettan hat für viel Diskussionen im Netz gesorgt.
Der Auftritt Israels beim Eurovision Song Contest 2026 war schon vor der ersten gesungenen Note einer der meistdiskutierten Momente des Abends. Noam Bettan vertritt Israel in Wien mit dem Song „Michelle“ – und steht damit im Zentrum einer Debatte, die den Wettbewerb seit Wochen begleitet. Fünf Länder haben den diesjährigen ESC aus Protest gegen Israels Teilnahme boykottiert: Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island blieben dem Wettbewerb dieses Jahr fern. Hintergrund ist Israels Vorgehen im Gazastreifen nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Jahr 2023. Während die European Broadcasting Union (EBU) an Israels Startrecht festhielt, warfen Kritikerinnen und Kritiker den Veranstaltern vor, mit zweierlei Maß zu messen – vor allem im Vergleich zum weiterhin ausgeschlossenen Russland.
Böhmermann und Schulz zeigten sich gelangweilt vom Song
Auch wenn Noam Bettan bei den Buchmachern weit vorn liegt, bleibt der Song nicht lange im Kopf – das liegt aber nicht zuletzt am undankbaren dritten Platz in der Startreihenfolge des Events. Bei den für Österreich moderierenden ESC-Kommentatoren Jan Böhmermann und Olli Schulz fiel der Song schon mal durch: Sie sangen gelangweilt mit und hatten zum Ende der Performance keine netten Worte für den Song.
Im Netz diskutieren die Zuschauer indes weniger über den Song, als über die Kontroverse zur Teilnahme Israels. Viele nutzen die Möglichkeit, verstärkt auf Geschehnisse im Gazastreifen aufmerksam zu machen, als sich mit der musikalischen Darbietung von Noam Bettan auseinanderzusetzen. Viele Kommentare drehen sich weiterhin um die Frage, ob ein Land, das international derart in der Kritik steht, beim ESC auftreten sollte.
Befürworterinnen und Befürworter der Teilnahme verweisen dagegen darauf, dass Noam Bettan nicht von der israelischen Regierung, sondern vom öffentlich-rechtlichen Sender KAN ausgewählt wurde – und dass der ESC trotz aller politischen Spannungen ein Ort der Begegnung bleiben solle. Diese Argumentation hatte auch die EBU immer wieder betont: Der Wettbewerb verstehe sich nicht als politische Bühne, sondern als musikalisches Ereignis, das Länder und Menschen zusammenbringen soll.
Israel und der ESC: Proteste auch vor der Show
Auch in Wien blieb die Kontroverse unmittelbar vor der Finalshow sichtbar. Einsatzkräfte zählten rund 2600 Menschen, die gegen Israels Teilnahme protestierten. Eine offizielle Zahl nannte die Polizei zunächst nicht. Die Demonstration verlief friedlich, auf Plakaten waren unter anderem Slogans wie „Freiheit für Palästina“ und „Block Eurovision“ zu lesen. Bereits zuvor hatte es kleinere Protestaktionen gegeben, darunter ein sogenannter „Song Protest“, eine Mischung aus Konzert und Demonstration, die auf die Lage der Menschen in Gaza aufmerksam machen sollte. Dort kamen allerdings deutlich weniger Menschen zusammen als zunächst erwartet.
Wie sind die Chancen für Israel beim ESC 2026?
Für die Buchmacher gehört Israel dennoch zu den erweiterten Favoriten des Abends. Mit „Michelle“ lag Noam Bettan kurz vor dem Finale bei rund sieben Prozent Siegchance – gleichauf mit Griechenland und deutlich hinter dem favorisierten finnischen Duo Linda Lampenius und Pete Parkkonen. Ob Israel am Ende vor allem wegen des Songs, wegen der politischen Debatte oder wegen beidem Punkte sammelt, dürfte eine der spannendsten Fragen dieses ESC-Finales werden.



