Voll Verheizt


Schlüssel-Erlebnis mit dem Schlüssel-Roman: Regisseur Brian De Palma weiß jetzt genau, wie man ein Buch besser nicht verfilmt. Zu spät.

Das Ereignis sollte erzwungen werden: In 1.373 amerikanischen Kinos startete Ende Dezember letzten Jahres „Das Fegefeuer der Eitelkeiten“. Drei Jahre nach Erscheinen von Tom Wolfes Schlüssel-Roman über New Yorks Yuppies bereiteten sich die Bosse von Warner Brothers auf einen Kassen-Hit vor. Verfilmung eines Bestsellers. Top-Besetzung, eigentlich eine Nummer Sicher. 75 Millionen Dollar für Produktion und Werbung waren da nicht zu hoch angesetzt.

Um so größer war die Überraschung am Montag morgen nach dem ersten Kino-Wochenende. Einspielergebnis insgesamt: 3.02 Millionen Dollar. Umgerechnet auf die einzelnen Kinos ergibt das 29 Zuschauer pro Vorführung, wie das New Yorker Magazin „Spy“ voller Harne vorrechnete.

Der Film von Brian De Palma ist keineswegs so bodenlos, daß entsprechende Mundpropaganda schon innerhalb der ersten drei Tage für leere Kinos gesorgt hätte. Er ist nur eine werkgetreue Verfilmung des 600-Seiten-Gesellschafts-Panoramas, das der Sprach-Tüftler Tom Wolfe vor seinen Lesern ausgebreitet hatte. Das fängt bei der Besetzung an: Tom Hanks spielt die Hauptfigur, den Wall-Street-Banker, der von sich selbst als einem „Master Of The Universe“ spricht. Hanks ist ein sympathischer Clown, prima in „Big“, aber das Bild eines .Master Of The Universe“ füllt er nicht aus.

Besetzungsfehler 2: Melanie Griffith. die junge Geliebte des Bankers, wirkt im Film älter als die Ehefrau (Kim Cattral).

Fehler 3: Die Rolle des britischen, ständig alkoholisierten Journalisten, der im Buch den Skandal ins Rollen bringt, wurde im Film ausgedehnt (zum Erzähler) und mit dem reichlich unbritischen Bruce Willis besetzt.

Grinsten die Besetzungsfehler alle fröhlich vom Plakat, so erfuhren die potentiellen Zuschauer aus den Zeitungen die inhaltlichen Verunglimpfungen — und blieben zuhause. Aus Furcht vor Rassismus-Vorwürfen etwa machte De Palma aus dem weißen, jüdischen Richter, der schwarzen Kids ins Gewissen redet, gleich einen Schwarzen (Morgan Freeman). Die öffentliche Stimmung pendelte sich wohl schon gegen den Film ein, als Spike Lee (hat nichts mit dem Film zu tun) noch während der Dreharbeiten sein Wissen über das geänderte Ende des Buches ausplauderte.

„Fegefeuer der Eitelkeiten“ ist nicht die einzige literarische Vorlage, die sich in der Hollywood-Maschinerie zu einem anderen Stoff verwandelte. Ausnahmsweise handelt es sich aber um einen Bestseller, der den Amerikanern am Herzen lag und gelesen worden war.