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Von Matratzen und Hüten: Der Donnerstag beim Oya Festival in Norwegen

Am Ende stehen dann plötzlich Andy Bell und Mark Gardener neben uns an der Haltestation für den Hotelshuttle, der aber nicht kommt. Gardener, das ist die abschließende Erkenntnis, die wir aus dem (bzw: aus unserem) ersten Abend auf dem OYA Festival in Oslo ziehen, trägt nach getaner Arbeit anstatt dieses etwas irritierenden Lou-Bega-Hutes, der das Comeback seiner Band Ride begleitet, eine Schiebermütze und den Hut in einer eierschalenfarbenen Hutschachtel sehr sorgsam vor sich her. Ride warten also mit uns auf den Bus. Begegnungen mit Rockstars stellt man sich doch ein wenig anders vor.

Andererseits wirken Ride an diesem Tag ohnehin eher wie Dienstleister. Nicht, weil sie nicht abliefern, alleine die ersten fünf Minuten des Konzertes, eine angenehm präzise gespielte Version von „Leave Them All Behind“ blasen einen auf theoretischer Ebene total weg, wirklich. Rein musikalisch funktioniert diese Reunion sehr gut. Gardener klingt immer noch wie ein druffer Engel (nur, dass die eben normalerweise keinen Hut tragen), und Andy Bell hat sich in seiner Zeit bei Oasis und Beady Eye ordentlich Rockstar-Habitus zugelegt. In seiner Sonnenbrille spiegeln sich schmuck die grünen Hügel des Festivalgeländes, und: Seine Soli wirken etwas kerniger als früher. Nur, das Publikum interessiert sich nicht besonders für Ride. Bei Team Me und ihrem Neunziger-infizierten Poprock, die die gleiche Bühne zuvor bespielten, war es voller. Auch Bad Religion leiden ein wenig unter der Wurschtigkeit der Zuhörerschaft: „Okay, für wen von Euch ist das denn das erste Bad-Religion-Konzert!“, fragt ein nur so halb begeistert wirkender Greg Graffin eingangs in die Menge. Zwei Drittel aller Hände gehen hoch, die Anwesenden verharren die folgende Stunde in interessierter, aber recht statischer Aufmerksamkeit, nur ein kleiner Kreis versucht zu moshen, was aber vielleicht auch an der sehr sensibel eingestellten Aufmerksamkeitsschwelle der Securities liegt: Wer sich hier danebenbenimmt, bekommt rasch einen Eintrag ins Klassenbuch.

Ein bisschen Schatten also, dem aber das Licht folgte. Father John Misty. Der schönste Mann der Welt hat, wenn der Autor das richtig verstanden hat, nachmittags an der Rezeption des Hotels noch nach zusätzlichen Matratzen für sein Zimmer gefragt, und wenn man ihn und seine Band da so stehen seht, kommt einem das total schlüssig vor. Bei seiner Musik sind viele Gefühle im Spiel, bei deren Verarbeitung man am besten erst einmal gruppenkuschelt, zum Beispiel Liebe und Verzweiflung. Misty beginnt mit „I Love You, Honeybear“ und führt in der folgenden Stunde vor allem durch das zugehörige Album und immer wieder interessante Dialoge mit dem nun sehr zahlreichen Publikum. „Any Questions?“, fragt er einmal und setzt sich an den Bühnenrand. Als ihm Songtitel entgegen gebrüllt werden, merkt er an: Wünsche seien keine Fragen, und er habe die Setlist gemeinsam mit seinem Management in einem langwierigen Prozess so entwickelt, dass sie für die Gäste maximal interessant sei. Und klar, das mehrfach eingeforderte „Bored In The USA“ kommt dann auch noch.

Nach ein paar Takten Florence + The Machine entscheiden wir uns gegen einen Besuch bei Flying Lotus und verlassen das Festivalgelände. Ganz gut: In den Clubs der Stadt geht es abends weiter. Und so stehen wir schließlich um Mitternacht im ersten Stock einer Bar namens Internationalen, trinken Wodka Tonic und schauen Rangleklods zu. Das dänische Duo installiert mit Samplern und Drumcomputern einen maximal interessanten Mix verschiedener Elektronica, der mal tief aus der Gruft zu kommen scheint, um im nächsten Moment ebenjene wieder einstürzen zu lassen. Wahnsinnskonzert mit großartiger Lightshow, und eine kluge Entscheidung, diese Band nicht um 15.30 auf der Hauptbühne oder so zu verheizen. Im Herbst auf Deutschlandtour, wir werden sowas von da sein!

Die Teilnahme an diesem Festival wurde von Community Promotion unterstützt.

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