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Warum der Fußballtrikot-Trend absoluter Schwachsinn ist

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Milliarden Menschen betreiben die Sportart und fiebern vor dem Bildschirm mit, wenn wieder einmal 22 Männer oder Frauen um einen wichtigen Titel spielen: König Fußball gilt nicht umsonst als die schönste Nebensache der Welt. Über das Fashion Appeal der Arbeitskluft der Kicker lässt sich lang und genüsslich streiten – und genau das machen Fans Jahr für Jahr, wenn die neuen Trikots ihrer Lieblingsmannschaften vorgestellt werden. Längst hat sich unter den meisten Fußballliebhabern eine Hassliebe zum stofflichen Symbol ihres Klubs entwickelt, was auch daran liegt, dass die Preise für die Leibchen in den vergangenen Jahren proportional gen Himmel steigen. Kaum ein Bundesliga-Verein, der mit Namensbeflockung keine 100 Euro von seinen Anhängern verlangt. Gerade in diese angespannte Beziehung der Fans zum Fußballtrikot platzt der von US-amerikanischen Blogs und Websites wie Highsnobiety und Hypebeast aufgekochte Trend des Sommers, möglichst ausgefallene „Soccer Shirts“ zu tragen.

Ausgerechnet die US-Amerikaner, die den Sport, für den sie sich das Wort „Soccer“ ausdachten, in weiten Teilen immer noch für nicht gesellschaftsfähig halten und seine Adaption damit sabotieren, wollen uns nun also erklären, wie stylisch so ein Stück Polyester mit schönem Wappen und Werbung auf der Brust ist – zumindest solang die Typo auffallend ist. Ausgerechnet Journalisten und Meinungsmacher, die vermutlich in ihrem Leben noch keine 90 Minuten Fußball geschaut haben, geschweige denn einen Herzensverein haben, oktroyieren uns also einen Trend auf, den es so nicht gibt – weil das Fußballtrikot als Kleidungsstück in Wahrheit längst Bestandteil des Mainstreams und der bürgerlichen Gesellschaft ist.

Highsnobiety betreibt verachtenswerten Kulturimperialismus

Türöffner für den aktuellen Hype ist Gosha Rubchinskiys zugegebenermaßen sehr gelungene adidas-Kollektion, die mit kühler Ostblock-Ästhetik und dem Look alter UdSSR-Trikots kokettiert. Die Streetstyle-Szene hyperventilierte und spielte im Anschluss völlig ungeniert die „Cultural Appropriation“ durch. Insbesondere die Kollegen von Highsnobiety, die noch 2014 in einem Beitrag fragten, ob Fußballtrikots jemals stylisch sein werden, sollten sich für ihre Herangehensweise an das Thema schämen: Als Alternative zu Rubchinskyis adidas-Kollektion empfahlen die ihren Lesern den Erwerb von Trikots russischer Fußballmannschaften. Dabei solle jedoch beachtet werden, dass diese auch mit einem neoklassizistischen Wappen und – ganz wichtig! – Werbung in kyrillischen Schriftzeichen versehen seien – schließlich seien die momentan voll im Trend.

Nicht nur ist Highsnobietys amerikanistischer Kulturimperalismus in diesen Worten verachtenswert, sondern auch das unreflektierte Empfehlen von Fußballtrikots, um damit den Look der Hipster auf der Mailänder Fashion Week in ihren sauteuren, von italienischen Fußballklassikern inspirierten Balenciaga-Trikots nacheifern zu können. Spätestens, wenn der Fashionista, der diesem Hinweis blindlings gefolgt ist, sich über die rassistischen Vorfälle im russischen Fußball und die weit verbreitete Homophobie in den Stadien Moskaus und St. Petersburgs informiert haben sollte, dürfte auch dieses 100 Euro teure Stück Ballonseide mit Schamesröte in den Untiefen des Kleiderschranks landen.

Die führenden Sportmarken reiten die Hypewelle so lange sie noch können: Umbro macht sich auf Urban Outfitters’ Verkaufsfläche breit, adidas kollaboriert mit Kith und Wood Wood und Patta designt mit Nike Fantasie-Trikots. Das alles mag zwar reaktionär wirken und nach Aktionismus riechen, aber wenigstens hat es nicht den bitteren Highsnobiety-Beigeschmack, wenn sich jemand, der unbedingt mit dem Trend gehen muss, mit diesen Teilen eindeckt.

Leuten, die tatsächlich ein Faible für Vintage-Sportbekleidung entwickelt haben und nicht auf überteuerte, neuwertige Designer-Ware zurückgreifen wollen, empfehlen wir die Seite ClassicFootballShirts.co.uk. Dort wird Euch auch sicher keiner ans Herz legen, ein Trikot nur aufgrund seiner kyrillischen Schriftzeichen zu kaufen.

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