Wurzelbehandlung


Zu ihren Wurzeln zurückgekehrt kultiviert die Lazy Poker Blues Band handwerklich sauberen Blues ohne Visionen.

Sie blickt auf eine ebenso lange wie arbeitsreiche und kreative Geschichte zurück, die faule Zocker-Runde. Die Basler Formation vermochte sämtlichen Stürmen standzuhalten und schien aus ihren Besetzungswechseln sogar unverdrossen Frische zu ziehen. Sieben Alben und eine Best-of-CD, Tourneen durch die Schweiz, Deutschland und Frankreich, sowie eine treue Fangemeinde lautete 1990 die stolze Bilanz. Rückblickend gesehen sollte sie jedoch eine Schlußbilanz sein, denn die reibungsvolle und fruchtbare Zusammenarbeit von Blues-Purist Cla Nett und dem charismatischen Popper Jakob Künzel hatte sich zwei lahre später verbraucht. Künzel wandte sich voll dem Projekt Bartrek zu, Gitarrist Nett lotste die Lazy Poker Blues Band zurück zu den Blues-Wurzeln und motivierte seine Truppe gar zu Aufnahmen in Chicago.

‚Halsted‘, die neunte und nach der legendären Blues-Straße benannte Platte, hält exakt das, was ihr geschichtsträchtiger Titel verspricht. Blues-Klischees werden handwerklich sauber und präzis breitgetreten, die Instrumente fast eigensinnig oldfashioned eingesetzt, gerade so, als ob man sich mit allen Mitteln vor stilistisch „fremden“ Einflüssen abschirmen müßte. Das ist zwar kompromißlos, klingt aber eben wenig aufregend, oft uninspiriert. Vielleicht fehlt der Band auch nur ein kreativer Gegenpol, jemand, der/die den Songs einen Tupfer von – nun, vielleicht Post-Grunge verliehen hätte…