Zeitlupe: Januar 1967: Beim Human Be-In in San Francisco treffen sich Amerikas Hippies.


Natürlich wird auch Musik geboten, die Hausbands der San-Francisco-Szene sorgen für den passenden Soundtrack: The Grateful Dead, Ouicksilver Messenger Service, Big Brother & The Holding Company und Jefferson Airplane sind ebenso dabei wie das ursprünglich aus Texas stammende Sir Douglas Quintet, das nach einem Drogen-Bust in der Heimat kurz zuvor ins liberalere San Francisco übergesiedelt ist. Drogen spielen beim „Human Be-In“ natürlich eine nicht unerhebliche Rolle: LSD-Laborant Stanley Owsley III, in der Popszene berühmt für die besten Trips, spendiert dem Publikum eine satte Ladung seiner jüngsten Kreation „White Lightning“. Und LSD-Apostel Dr. Timothy Leary, ein geschasster Harvard-Professor, hält seine viel zitierte Rede „Tune in, turn on, drop out“.

Wer Drogen verabscheut, kann sich per Meditation in höhere Bewusstseinsstufen beamen: Die Beat-Poeten Gary Snyder, Michael McCIure und Allen Ginsberg intonieren zwischen ihren Lesungen buddhistische Gesänge und bimmeln mit ihren Gebetsglöckchen. Die etwa 20.000 Zuschauer, darunter Mitglieder der berüchtigten Rockergang „Hell’s Angels“, sind sanft wie die Lämmchen, die anwesenden Polizeikräfte registrieren keinerlei Gewalt. Unübersehbar ist hingegen der bunt bemalte Schulbus namens „Furthur“, den Ken Kesey samt Gefolgschaft („The Merry Pranksters“) quer durch die USA lenkt. Kesey, der später den Roman „Einer flog über das Kukucksnest“ verfassen wird, gilt schon in den 6oern als Hippie-Ikone. Immerhin führt er fort, was der Beat-Literat Jack Kerouac („Unterwegs“) in den Fifties begann: Die große mythische Reise durch das große mythische Land. Drogen und Musik inklusive.

Organisiert von Gary Snyder und Allen Ginsberg, die als Dichter bereits die Gegenkultur der 50er Jahre prägten, markiert das „Human Be-In“ den Startpunkt des „Summer Of Love“. Was seit den frühen soern lediglich als Subkultur wahrgenommen wurde, entwickelt sich allmählich zum Mainstream-wenn auch nur für kurze Zeit. Polit-Aktivist Abbie Hoff man hat es in Derek Taylors Buch „It Was 20 Years Ago Today“ wunderbar auf den Punkt gebracht: „In den 60ern besaßen wir all die Bomben, all die Polizisten, all die Cadillacs samt Doppelgarage und zweistöckigem Landhaus – es gehörte alles uns. Aber einige Menschen meinten: ‚Das ist langweilig, spirituell unbefriedigend,da muss noch mehr drin sein.’Also begannen sie langsam die Autoritäten in Frage zu stellen.“

Mit dem „Human Be-In“ machen sich die Hippies erstmals in großem Stil bemerkbar, der Rest ist längst Geschichte: Ob sexuelle Befreiung, der Kampf für die Gleichberechtigung der Rassen und Geschlechter oder einfach nur der individuelle Ausbruch aus der Leistungsgesellschaft – was kürzlich noch Minderheitenthemen waren, beschäftigt Ende der 60er Jahre plötzlich große Teile einer sich reformierenden Gesellschaft.