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4 Kritikpunkte an „Deadpool“ – und warum diese Quatsch sind

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Nerds lieben Deadpool. Und das auch völlig zu Recht. Er ist der Hofnarr unter den Superhelden und sagt Dinge, die sonst keiner sagen würde. Lustiges, Schräges, auch Anrüchiges. Er droppt am laufenden Band Anspielungen auf Populärkultur aus Film, Radio und Fernsehen und strapaziert durchweg die Suspension of Disbelief, die ja gerade in einer Comicwelt wichtig zu sein scheint, denn er ist self-aware. Er weiß, dass er eine Figur in Marvels Comicuniversum ist und spricht den Leser, und nun auch den Zuschauer, direkt an. Der erste eigene „Deadpool“-Film hat so Einiges, was gefällt. Dennoch hacken viele auf ihm rum. Warum eigentlich?

Pubertärer Mist!

Hauptkritikpunkt: Deadpools komische Sprüche seien zu pubertär und zu vulgär. Jooaaa. Nicht umsonst ist er ja auch der „merc with a mouth“. Er kann halt seine Klappe nicht halten. Hätte man ihm andere Sätze in den Mund (Deadpool: „Hihi, du hast ,in den Mund´ gesagt“.) legen können? Bestimmt! Dennoch ist sein Gelaber cooler als diese One-Liner, die in den immer gleich gestrickten Actionern gefühlt immer in der gleichen Filmminute auftauchen.

Schwache Story!

Der Film sei nur eine stumpfe Rachegeschichte plus der fast schon obligatorischeren Rettung einer Prinzessin. Well, eine Stripperin Schrägstrich Prostituierte ist nun keine Prinzessin, eine Prinzessin der Straße vielleicht… (Deadpool: „Hey halt die Klappe! Sie ist meine Prinzessin.“) Ist es nicht eine gute Nachricht, dass in einem Superheldenfilm mal nicht die ganze Welt auf dem Spiel steht, mal nicht ganze Städte und Landstriche oder gleich die ganze Erdkugel („Man of Steel“) verwüstet werden?

Vierte Wand durchbrechen ist so 90er!

Die so: „Das Publikum ansprechen? Wayne interessiert´s vielleicht, nur: „Wayne´s World“ ist leider vorbei!“ Mmmhh. Was wohl Frank Underwood dazu sagen würde? In „House of Cards“ passiert das nämlich ständig, und niemand mokiert sich darüber. (Deadpool: „Ob man Frank Underwood noch hören kann, während eine U-Bahn über einem drüber rollt? Muss doch ziemlich laut sein, so eine U-Bahn.“)

Niedriges Production Value und schlechtes CGI

Der einzige Kritikpunkt, der sich wirklich nicht wegreden lässt. Manchmal fühlt sich der Film nach Studiokulisse an, wodurch das Ganze ein wenig TV-Charakter bekommt und Comicserien sind ja eher so meh. Zum Glück versucht Deadpool sein limitiertes Budget nicht zu vertuschen und reißt sogar Witze darüber.

Zugegeben: „Deadpool“ hat seine Schwächen. Auf der anderen Seite jedoch bekommt man einen unterhaltsamen, unangestrengten Comicfilm, der mit seiner non-linearen Erzählweise frischen Wind ins Genre bringt und neue Töne (Deadpool: „Zieh mal an meinem Finger.“) anschlägt. Die zelebrierte Selbstironie, Deadpools self-awareness und die ständigen Querverweise auf Popkultur lockern den todernsten und weltbedrohlichen Gestus des Genres endlich einmal auf. Man muss das Ganze als über sich selbst lachenden Hybriden aus Art House und Blockbuster betrachten, dann hat man auch Spaß wenn man kein Comicfan ist. Die Chancen, dass der Film auch außerhalb der Nerdszene zum Kultfilm wird stehen jedenfalls nicht schlecht. Es bleibt abzuwarten, wie gut er altern wird. Und ob die Fortsetzung die Qualität halten kann.

 

„Deadpool“ läuft seit dem 11. Februar 2016 in den deutschen Kinos.

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