Hurricane Festival 2016: Endspurt in die Feierei


„Raindrops keep fallin’ on my head“ hieß es an zwei von drei Festivaltagen, doch der Abschlusstag beim Hurricane konnte die Unterbrechungen, Absagen und Zeltflutungen wettmachen.

Bei schönstem niedersächsischen Provinzsonnenschein wurde das Gelände schon ab den Mittagsstunden von den „Überlebenden“, wie sie Wanda später taufen sollten, besiedelt. Tom Odell, The Subways und Polica bekamen am Nachmittag die aufgestaute Energie und Feierfreude von zehntausenden Hartgesottenen ab.

Mit den gewohnt lässigen Herren von Wanda und ihren Whiskey-Flaschen – Traditionen soll man beibehalten – ging’s in die nächste Runde, ehe Bosse und The Augustines mit schönen Texten und teils harten Gitarren übernahmen. Eine großartige Einstimmung auf alles, was noch folgen sollte.

Richtig schwer hatten es an diesem Gute-Laune-Bilderbuch-Sonntag eigentlich nur Brit-Beau James Bay und die Wombats, deren Zeitslots genau auf die Übertragung des EM-Spiels Deutschland-Slowakei fielen. Wollte man die 2-0-Führung in der Halbzeitpause mit einem kurzen Abstecher auf die White Stage feiern, wurde man bei den Klängen von Fraktus („Maler und Lackierer“) nicht enttäuscht.

Zwei Acts waren es schlussendlich, die all den Aufwand, das Warten und Wasserschüppen vollends wettmachen sollten. Die Hamburger Formation Deichkind veranstaltete auf der Blue Stage ein solches Spektakel, dass die Fans vor lauter Freude auch Stunden später nur noch blinkende Dreiecke sahen.

Mit ihren durchgeknallten Kostümen und geilen Mitsing-Songs („Bück dich hoch“, „Leider geil“) holten sie das Publikum innerhalb weniger Minuten auf ihre Seite. Und das, obwohl die vom Unwetter zerstörte Bühnentechnik beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

Weitaus weniger Mühe mit ihrem Outfit gaben sich die Sonntags-Headliner von Mumford & Sons. 20 Minuten zu spät und – ganz untypisch für Briten – ohne eine angemessene Entschuldigung betraten sie die Green Stage um kurz vor 23 Uhr. Was dann kam, lässt sich mit Fug und Recht als energiegeladenes Potpourri jener Band beschreiben, die eine musikalische Quadratur des Kreises versucht – und das mit Erfolg.

Schnelle Stücke und ruhige Balladen hielten sich die Waage, das Verhältnis von alt und neu stimmte genau. Einzig der wie immer leicht „grumpy“ gestimmte Marcus Mumford wollte nicht so recht den Draht zum Publikum finden, nuschelte meist nur freudlos ein paar „Wir lieben Deutschland“-Sprüche und „Wir stehen auf Fußball“-Floskeln in sein Mikro.

Macht nix, der Auftritt war gut, das Hurricane-Festival 2016 ist ohne größere Verletzungen über die Bühne gegangen und alle sind sich einige: Der Sommer kann kommen, wir wären dann so weit.