5 schmerzliche Gründe, warum es den Weltfrauentag auch heute noch braucht

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Ein paar Blumen zum Weltfrauentag und Glückwünsche dazu. „Lasst euch einen Tag mal richtig feiern, ihr habt’s euch verdient!“ „Moment, euch reicht das nicht?“ „Mal ehrlich: Heutzutage sind Frauen doch gleichgestellt und dieses ganze Gewese vielleicht ein bisschen übertrieben, oder?“ „Seid ihr jetzt auch so Feminist*innen mit Sternchen?“ „Jetzt ist auch mal gut. Was, wenn sich die Männer so aufspielen würden?“

So oder so ähnlich redet sich mancher Alman-Andi heute vielleicht wieder in Rage, wenn Frauenrechte zum Thema gemacht werden. Wie notwendig der Diskurs noch immer ist, zeigen diese schmerzlich aktuellen Beispiele.

1. Weil „diese junge Dame“ sich angeblich unwohl fühlt

„Man sieht ja deutlich, dass diese junge Dame, die unsere Außenministerin ist, sich nicht besonders wohlfühlt oder es nicht ihre Welt ist“, urteilte der diplomatische Korrespondent der „Tagesspiegel“-Chefredaktion Christoph von Marschall im ZDF Morgenmagazin. Annalena Baerbock ist – genauso wie der frühere Gesundheitsminister Jens Spahn – 41 Jahre alt und auch keine unerfahrene Politikerin. Sie hat studiert, war zehn Jahre Abgeordnete, dann Parteichefin, Kanzlerkandidatin und ist nun sogar Außenministerin Deutschlands. Etwas mehr Anerkennung für diese beachtliche Vita täte gut.

2. Weil für Frauen kein Platz am Tisch ist

Die Spitzen der deutschen Wirtschaft in einem Bild versammelt. Die Frauen dürfen hier bestimmt nach der gemütlichen Runde das Geschirr abräumen, währenddessen aber nicht mitreden. Beim CEO-Lunch zur Münchner Sicherheitskonferenz zeigt sich, dass Männer offenbar noch immer ganz gern unter sich sind. Warum auch nicht, auch für den öffentlichen Dienst hat die Sache mit der Frauenquote ja noch Zeit: „Bis Ende 2025 die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen erreichen – also annähernd Parität auf allen Führungsebenen: Dieses Ziel wird für die Bundesverwaltung im Bundesgleichstellungsgesetz gesetzlich verankert“, heißt es auf der Webseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

3. Weil Frauen 66 Tage umsonst gearbeitet haben

Autsch. Bis zum 7. März haben Frauen rein rechnerisch für umme gearbeitet, denn bundesweit verdienten sie 2020 laut Statistischem Bundesamt 18 Prozent weniger als Männer. Richtig ist, Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Berufen, jedoch hat dies häufig strukturelle Gründe: miesere Karrierechancen, weniger Führungspositionen (siehe Punkt zwei) und familiär bedingte Pausen.

4. Weil sich manche Frauen mit eigener Meinung in die Küche zurück scheren sollen

Frauen, die etwas zu sagen haben und für ihre Überzeugung aufstehen und laut werden. Wie ungehörig, sagen im Netz auch immer wieder einige Männer.

Eine Ausnahme? Okay, dann hier noch ein Zitat: „Seht auch dieses Gesicht an! Würde jemand dieses Gesicht wählen? Könnt ihr euch das vorstellen, das soll das Gesicht unseres nächsten Präsidenten sein? Ich meine, sie ist eine Frau, und ich sollte nichts Schlimmes über sie sagen. Aber wirklich, Leute, kommt schon. Ist das euer Ernst?“ So sprach Donald Trump 2016 über seine Parteikollegin Carly Fiorina, die sich ebenfalls als US-Präsidentschaftskandidatin aufstellen lassen wollte. Bekanntermaßen hat Trump in den Folgejahren noch einige weitere uncharmante Dinge über Frauen vom Stapel gelassen und wurde trotzdem zum mächtigsten Mann der Welt gewählt.

5. Weil es in anderen Ländern noch viel schlimmer als bei uns läuft

Ihr seid der Meinung, hierzulande ist für Frauen schon jede Menge erreicht worden? Stimmt auch! In vielen Ländern der Erde ist das aber noch nicht der Fall – mancherorts entwickelt sich vieles sogar gerade wieder in die andere Richtung. Zum Beispiel in Afghanistan, wie das Hilfswerk Misereor berichtet: „Frauen und Mädchen dürfen oft nur in Begleitung eines männlichen Verwandten in die Öffentlichkeit. Schulunterricht und Bildungsprogramme sind nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Friedliche Frauenproteste wurden gewaltsam aufgelöst. Frauenrechtlerinnen, Anwältinnen, Journalistinnen sowie frühere Regierungsbeamtinnen und Bürgermeisterinnen werden verfolgt und sind von Tod und Folter bedroht“, so Partnerorganisationen des Hilfswerks vor Ort. Wir finden daher die Bezeichnung „Frauen*kampftag“ gar nicht so verkehrt. Denn es gibt auch im Jahr 2022 noch viel Ungerechtigkeit zu bekämpfen – und Blumen werden da wohl nicht reichen.

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