45Television – Marquee Moon

Dass dieses Stück immer wieder unter „punk rock“ einsortiert wird, nur weil Television und ihr visionärer Chef Tom Verlaine der Szene um das „CBGBs“ entsprangen, ist veritabler Humbug. Das epische Herzstück von Televisions Debüt ist fast elf Minuten lang, rhythmisch und melodisch komplex und lebt in der Hauptsache vom beseelten Spiel zweier versierter Gitarristen. Viel eher also Art Rock, wenn das nicht ein halbes Schimpfwort wäre. Das in zig Live-Performances geschulte Zusammenspiel von Verlaine und Richard Lloyd, die ihre Gitarren kunstvoll verzahnen und verweben, trägt den rhythmisch sperrigen Song auf magische Weise voran. Höhepunkt ist Verlaines Solo ab Minute 4:50, das völlig blues- und psychedelia-fern- im Grunde ein Anti-Freakout – eine ganz eigene „intellektuelle“ Spiritualität definiert. Es gipfelt im Break bei Minute 8:45, wenn die Spannung sich in einem außerweltlichen Flirren löst, das einen für Momente wie schwerelos schweben lässt, bevor ein letztes Mal der disziplinierte Beat mit dem markanten, schlanken Riff einsetzt. Perfektes Zeug. WO? MARQUEE MOON (1977)

Warum wird Iggy Pop nach Dekaden mit einigen Höhen und tiefsten Tälern jetzt verehrt und geliebt wie nie zuvor? Antwort liefert unsere Titelgeschichte über den „Godfather of Punk“. Dem Heft liegt exklusiv eine Vinyl-Single mit Live-Versionen von „The Passenger“ und „Lust For Life“ bei, festgehalten während des 2023er Konzerts beim Montreux Jazz Festival. Die MUSIKEXPRESS-Ausgabe gibt es hier bequem zum Bestellen.