Kurz & Live

Chilly Gonzales im Babylon, Berlin

Gonzales will nichts neu erfinden. Er ist ein Freund von Klischees. Mit denen kann er spielen, am besten live. Er gibt den mal lakonisch, mal gestrengen Musiklehrer, lässt das Publikum, willkürlich eingeteilt in die historischen Berliner Sektoren, einen vierstimmigen Dominantakkord singen, den er mit der linken Hand trocken auflöst. Er holt zwei Vertreter der „Rap“- und der „Hardcore Piano“-Fraktion auf die Bühne, sie sollen vorsprechen für ihre Konfession, es wird per Applaus abgestimmt. „Hardcore Piano“ gewinnt – und dazu rappt Gonzales dann. Mocky am Schlagzeug, Joel Gibb von den Hidden Cameras trägt als Gaststar Zarah Leanders „Ich steh‘ im Regen“ vor. Die Zugabe spielt Gonzales mit einer Hand, immerhin der rechten, mehr habe das Publikum leider nicht verdient. Es möge doch anerkennen: „Ich bin der ehrlichste Entertainer weit und breit!“ Ein Widerspruch, so unterhaltsam wie der ganze Abend.

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