Eurythmics :: 1984

„Unsere Songs sind oft musikalische Filme“, beschrieb Dave Stewart schon vor einiger Zeit die Arbeitsweise der Eurythmics. Insofern wird es niemanden verwundern, ihren Namen im Nachspann der Wiederverfilmung von Orwells „1984“ wiederzufinden.

Das Album nun unterscheidet sich allerdings von der Original-Filmmusik. Die zurückhaltende Illustration filmischer Sequenzen wurde in eigenständige Songs verwandelt, ohne den Charakter einer Begleitmusik immer vollständig abzulegen.

Aber auch so behält die LP die Stimmungen, die Orwells Roman vorgibt: Die Single-Auskopplung „Sexcrime“ etwa vermittelt das Gefühl jener Bedrohung und Reglementierung, die im totalitären Regime des „Großen Bruders“ herrscht; das instrumentale „Winston’s Diary“ ist nachdenklich und introvertiert wie Tagebuchaufzeichnungen; die Diskrepanz von flotter Musik und im Stil von Nachrichten vorgetragener Gehirnwäsche in „Doubleplusgood“ deckt 84er Widersprüche auf; das beklemmend sehnsüchtige „Julia“ handelt von einer jungen Liebe, die allein durch ihre Existenz ein Verbot übertreten hat; „For The Love Of Big Brother“ schließlich paart die Hoffnungslosigkeit des 1984-Staates mit der Sehnsucht nach Freiheit und Glück.

Die Eurythmics sind in der ihnen eigenen Kombination von synthetisch-kalter Elektronik und Anns warmer Stimme geradezu prädestiniert, um Orwells Visionen musikalisch umzusetzen. Schließlich geht es beiden um das Überleben von Liebe und Sehnsucht in einer gefühlskalten Welt.

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