Eurythmics :: Be Yourself Tonight

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, verdient auch die sechste LP der ehemaligen Tourists das Prädikat besonders wertvoll. Schon der Auftakt ist famos: Zuerst ein kurzes Computer-Intro und dann Rock, Soul, Blech, Geschwindigkeit, ein Tanzvergnügen mit dem Titel „Would I Lie To You“. Zu keiner Minute ist man hier vor Überraschungen sicher. Den Eurythmics hier die bleiche Diva Annie mit ihrem karottenroten Leuchtschopf, dort der bärtige Sound-Magier Dave Stewart, gelingt einmal mehr der Brückenschlag zwischen schlagerharter Melodiösität. computerisiertem Euro-Pop und herzerwärmendem Soul-Chant.

„There Must Be An Angel“ ist ein fröhliches, spieldosenartiges Pop-Menuett mit Harfenklängen, Piano-Linien, witzigen Koloraturen und Gospel-Chören. Eine Lektion über den gelungenen Einsatz der so oft verschmähten Rock-Gitarre erteilen die Eurythmics mit „Love You Like A Ball & Chain“. Überhaupt: Mit seltener Souveränität und exquisitem Geschmack kombinieren die beiden Sounds und Stile, Farben und Instrumente. Stimmen und Stimmungen.

Es fällt überaus schwer, in dem Neun-Song-Aufgebot einen Favoriten auszumachen Zu ebenbürtig sind die einzelnen Stücke, wobei mir die erste Albumseite jedoch noch mehr zusagt als die zweite. Doch auch dort findet man wunderschöne Klangkombinationen: Panflöten, Schellen. Glockenspiele. Weltfolklore, zirpende akustische und wild röhrende Gitarren („Conditioned Soul“), schwelgerische Duette mit romantischem Backing („Adrian“), effektreiche Computer-Arien („Grown Up Girls“) und vieles mehr.

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