Nach „Otto-Show“: WDR warnt auch vor Harald Schmidt – und den freut’s

Auch „Schmidteinander“ von Harald Schmidt und Herbert Feuerstein hat einen Disclaimer erhalten.

Immer mehr Kultsendungen schaffen es in die Mediathek des WDR. Shows, die mitunter bereits etliche Jahrzehnte auf dem Buckel haben, zeichnen sich allerdings auch gelegentlich durch altbackene oder diskriminierende Witze aus, über die nicht jeder lachen kann. Wer darauf keine Lust hat, wird vom Westdeutschen Rundfunk mit einem eingeblendeten Hinweis vorgewarnt, denn die Sendungen werden weder geschnitten noch anderweitig verändert: „Das folgende Programm wird, als Bestandteil der Fernsehgeschichte, in seiner ursprünglichen Form gezeigt.“ So geschehen auch bei alten Folgen der Sendung „Schmidteinander“ mit Harald Schmidt und Herbert Feuerstein.

Das Satire- und Comedy-Format wurde von 1990 bis 1994 ausgestrahlt. Nach der Empörung, die der Warnhinweis bei alten Folgen der „Otto-Show“ ausgelöst hat, gibt es nun auch Aufregung um die Einblendung bei der Neunziger-Kultsendung. „Im Falle einer Ausstrahlung werden die Sendungen in ihrer ursprünglichen Form gezeigt, Inhalte werden nicht gelöscht“, erklärt der Sender laut „FAZ“. In einigen wenigen Fällen stoße man bei der Sichtung auf Passagen, die aus heutiger Sicht als diskriminierend empfunden werden können. Daher habe sich der WDR entschlossen, vorsorglich einen Disclaimer vor die Show zu setzen, um die Inhalte einzuordnen.

Harald Schmidt findet Disclaimer „Weltklasse“

Harald Schmidt kann sich über so viel Aufmerksamkeit wohl nur freuen. Der „Bild“-Zeitung sagte der dort zum „Warn“-Opfer ernannte Comedian: „Weltklasse! Ein echter Schmidteinander-Gag. Nur schade, dass der selige Feuerstein das nicht mehr erlebt hat.“ Weniger gelassen reagierte offenbar Otto Waalkes. Der 75-Jährige könne die Entscheidung des WDR kaum nachvollziehen. „Als ob es keine anderen Probleme gäbe als alte Otto-Scherze.“ Diese seien nun schon ein halbes Jahrhundert her.

„Die Moralvorstellungen haben sich seit 1970 gewandelt, jede Zeit hat ihre eigenen Tabus. Komik hat ja immer etwas Anstößiges, weil sie alltägliche Regeln verletzt. Ich war damals Student und habe Scherze gemacht, von denen sich vor allem Autoritäten verletzt fühlten.“ Unter anderem könnte Ottos „altes chinesisches Liebeslied“ für Unbehagen bei manchen Zuschauern sorgen. Ein alberner Bit, der so lautet: „Das Stück heißt Ping-Pong. Die Frau verkörpert das kosmische Prinzip des Ping, während ihr der Mann dabei an den Pong fasst.“

Kristina Baum schreibt freiberuflich unter anderem für MUSIKEXPRESS. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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