Kolumne

Thomas Gottschalk ist und bleibt der Großmeister des Cringe


Weihnachten ist mal wieder lang vorbei, aber der Cringe ist unendlich. Josef Winklers Hirnflimmern-Kolumne.

Ich muss um Nachsicht bitten, ich bin noch nicht wieder auf’m Damm – mich hat’s am Wochenende bös erwischt, aber ich bin ja auch selber schuld. Ich weiß ja, dass mir solche Sachen dann immer gleich auf die Stirnhöhlen schlagen. Die Dame des Hauses hat so eine gewisse Schwäche für altmodische TV-Event-Shows, das ist wohl so ein Eskapismus/Nostalgie-Ding, aber natürlich geht so was heute gnadenlos nach hinten los.

„Wetten, dass ..?“: Couchzoff – Gottschalk vs. Shirin David

Kürzlich aus alter Verbundenheit – die ich tatsächlich für Thomas Gottschalk empfinde, seit ich in den 80ern Die-hard-Fan seiner „Radioshow“ war und von ihm Teile meiner popmusikalischen und humoristischen Sozialisation erfuhr –, für das letzte „Wetten dass“ mal wieder das lineare Fernsehen angeschmissen. Und Gottschalk war ja schon der Großmeister des Cringe, als es dieses Wort wohl noch nicht mal im Englischen gab, aber musste man auf ein solches Gemetzel gefasst sein?

Shirin David reagiert auf „Wetten, dass..?“-Sendung via Instagram

Statt dass der sich da auf Nummer sicher Peter Maffay und, was weiß ich, Francis Rossi auf die Couch setzt, muss es ein Kleinkrieg mit Shirin David sein! Und am Ende sind die Woken schuld, dass er nicht mehr moderieren mag. Oh Lordy! Ich habe die Sache mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen ja nicht von Anfang an mitverfolgt, aber diese „Abschiedsrede“ muss einer seiner Tiefpunkte gewesen sein, Schwarz-weiß-Ära eingeschlossen.

Nichts ist unmöglich in der Traumfabrik Fernsehen

Da denkt dann man naiverweise, peinlicher geht’s ja nun nicht … Und dann eben jetzt am Wochenende – nur mal in den Anfang reinschauen! – die „Ein Herz für Kinder“-Gala, moderiert von Johannes B. Kerner, der tatsächlich auch noch lebt und gleich zu Beginn die „prominenten“ Gäste begrüßt, die in der Folge am Spendentelefon sitzen werden. Ich stehe gerade noch in der Küche, da kommt mein Sohn gelaufen: „Gerade sind Markus Söder und Christian Lindner reingekommen!“

Youtube Placeholder

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Hundsbub, elendiger, du kriegst gleich eins hinter die Löffel, dem Papa so einen Schrecken einzujagen! Aber natürlich stimmt es. Nichts ist unmöglich in der Traumfabrik Fernsehen, und so wird nicht nur eine „miese kleine Type“ (Harald Schmidt) wie Oliver Pocher weiterhin künstlich am medialen Leben erhalten, sondern Markus Söder (!) und Christian Lindner (!!) dürfen am glitzernden Samstagabend im ZDF ein „Herz für Kinder“ heucheln und 17 Mark 80 am Telefon einsammeln „um die Welt ein bisschen besser zu machen“ (Kerner), bevor sie dann am Montag auf Arbeit als schwarz-gelbe Schattenkoalition weiter gegen die Erhöhung des Bürgergelds hetzen resp. noch ein paar Milliarden bei der Kindergrundsicherung „einsparen“.

Wie sang einst Wolfgang Ambros: „Wem heut ned schlecht is, des kann koa Guada sein.“ Und schaun S: Ich bin darüber sogar krank geworden, obwohl wir die Schweinerei nach 20 Minuten ausgeschaltet und zur Hirnberuhigung noch ein paar Folgen „The Munsters“ geschaut haben.

P.S.: Mein Sohn ist übrigens auch gegen die Schuldenbremse, seit er gehört hat, dass wegen der jetzt wohl weniger neue Chipsfabriken in Deutschland gebaut werden.