Yael Naim
SOLAIRE
Mouselephant (VÖ: 6.2.)
Entspannungs-Pop aus dem Feenwald, aber mit gesellschaftspolitischem Anspruch.
Hat es das Schicksal eigentlich gut oder böse mit einem gemeint, wenn die eigene Musik von Großkonzernen ausgesucht wird, um weltweite Werbekampagnen zu unterlegen? Diese Frage könnte Yael Naim, Französin mit israelischen Wurzeln, beantworten. 2008 wurde ihr kindlich/verspielt anmutender Song „New Soul“ von Apple eingesetzt, um das neue Macbook Air zu bewerben. Ich könnte ihn euch vorsummen, aber leider funktioniert das ja hier nicht. Kennen tut ihr ihn!
So was spült natürlich Geld in die Kasse, kann aber auch dafür sorgen, immer und immer wieder mit diesem einen Track in Verbindung gebracht zu werden (siehe Feist) und eine mal angedachte künstlerische Entwicklung im Sande verlaufen zu sehen. Naim wurde als Tochter tunesisch-jüdischer Eltern in Frankreich geboren, und sang zunächst vorwiegend in Musicals, bis sie mit ihrem zweiten Album den Durchbruch in ihrem Heimatland schaffte.
Leider erschlaffte der Wille zum Wumms
Es folgten drei weitere Platten und nun, mit SOLAIRE, die aktuelle und zugleich erste nach den Anschlägen vom 7. Oktober 2023, die Naim so stark mitnahmen, dass sie sich therapeutische Hilfe suchen musste. Ihre Musik hat etwas Tastendes an sich. Ruhige, schwebende Klänge, oft einfach nur am Keyboard erzeugt, ergänzt sie durch poetische Texte und sanften Gesang, der leider immer mal wieder ins Soßige hineinschwappt.
Bis auf das rhythmische „Multicolor“, in dem sie metaphorisch die verschiedenen Lebensformen der arabischen Welt preist, bewegen sich die zwölf Tracks auf der gleichen Spur, die man als eingefahren und abgefedert bezeichnen kann. Oder einfach nur, wenn man böse ist, als öde. Sensible Frau am Piano haucht uns ihre Emotionen entgegen. Der Deal von vor 17 Jahren mag Raum für Entspanntheit geschaffen haben, leider erschlaffte dann aber auch gleich der Wille zum Wumms, scheint mir.
Diese Review erscheint im Musikexpress 2/2026.



