Paulas Popwoche: Bruno Mars liest meine Kolumne!
In Paula Irmschlers aktueller Kolumne geht es um Bruno Mars' Solo-Comeback nach 10 Jahren, KI-Vergleiche in der Popmusik und die neue Serie „Pluribus“ über Kollektivbewusstsein.
Erstmal: Frohes Neues! Wie lange darf man noch fragen, wie lange man das noch sagen darf? Sorry. Ich bin ein Unc! Das Wort habe ich neu gelernt, es beschreibt wohl jemanden, der nichts mehr checkt, weil er zu alt ist. Es ist, glaube ich, so etwas wie das neue „Ok Boomer“, nur dass jetzt besonders auch wir Millennials dran sind. Fair enough.

Ein neues Wort, das es jetzt wohl auch noch geben soll, ist „Phubbing“. So berichtet zumindest das ZDF, die AOK und geo.de. „Phubbing“ bedeutet, dass jemand während eines Gespräches auf sein Handy guckt. Mich erinnert der Versuch dieser Wortinstallation daran, wie sie uns damals „Smombie“ für „Smartphonezombie“ andrehen wollten. Oder Ende der 90er „sit“ für nicht mehr durstig. Oder natürlich daran:

Mitbekommen habe ich auch mal wieder nicht, dass Dry January ist, bis all die Reels reinkamen, in denen es darum ging, dass die Leute es nicht durchgehalten haben mit dem Nichttrinken. Verstehe das nicht, dass Leute das immer irgendwie benennen und zu einer Challenge machen müssen, wenn sie mal paar Wochen nichts trinken. Aber vielleicht haben die auch viel mehr Freunde und sind halt ständig on tour. Für mich läuft Januar so ab: Man setzt sich nach Silvester hin, blinzelt ein paar Mal, stapft durch irgendeinen Matsch, heult einige Male, denkt, das düstere Loch über und in einem schließt sich nie wieder und dann ist irgendwann März.
Was für einen Grund sollte man überhaupt haben, im Januar zu saufen? Was gibt es denn momentan zu feiern, hä?

OH GOTT! Und das noch vor Karneval! Und nachdem ich vor ein paar Wochen an dieser Stelle Bruno Mars angefleht habe, neue Musik zu veröffentlichen. Und wie ihr alle liest er hier offenbar ständig rein. Das ist ja toll.
Hier ist auch schon die erste Single. Die erste Solo-Single seit 10 Jahren!
Nun wurde sich natürlich brav gefreut, dass Mars uns beschert, aber auch rumgeonkelt. Das Übliche: James-Brown-Verschnitt, alles schon 1000 Mal gehört, Selbstparodie, Radio-Dudelei … Ja, aber da fragt man sich: Wo ist der Diss? Es gibt hier kein Originalitätsabzeichen zu gewinnen, sondern einfach nur eine geile Zeit.
Sauer machte auch der hier und da gemachte Joke, dass das ja nun auch schon KI sein könnte. Und so sehr man es hier abweisen kann, kann ich nicht leugnen, dass ich mich das jetzt auch bei jedem dritten Kulturprodukt frage. Also ich frage mich nicht unbedingt, ob es durch KI erzeugt wurde, sondern eher, ob es noch originell genug ist, um sich davon abzusetzen. Vielleicht kann man mal eine neue Kategorie etablieren: Dinge, die nicht KI sind, aber sich so anfühlen. Ich fange an: Die Musik von Olivia Dean. Tut mir leid, dass ich das sage, aber ich spürte letztes Jahr mehrmals diesen Vibe, als ich sie hörte. Aber darauf läuft vielleicht Popkulturproduktion automatisch zu, irgendwann funktioniert es ein bisschen zu „gut“, beziehungsweise wird es glatter und eingängiger und technischer. Man müsste nach solchen Beispielen aber auch mal in der Vergangenheit gucken, also da, wo es KI noch gar nicht in dem Ausmaß wie jetzt gab und sie in der Musik noch nichts zu suchen hatte. Da wird man dann wahrscheinlich genauso fündig wie heute. Looking at you, Maroon 5, Harry Styles, David Guetta, The 1975 oder Imagine Dragons. Will hier aber echt niemanden dissen, es ist nur ein Vibe! Ein Jeföhl.
Was aber vor allem gilt, sagt dieses Meme.

Nicht mit KI zu arbeiten, kann allerdings unter Umständen heißen, dass es einen Song vielleicht gar nicht gibt, also nicht als fertigen Track, dass er mir nicht aufs Brot geschmiert wird, sondern ich mit einer kleinen netten Videoaufnahme vorliebnehmen muss. Wie bei meinem aktuellen Lieblingslied von Jessica Mazin, das hier in der Insta-Dauerschleife läuft.
Wer noch mehr über KI nachdenken will und vor allem über das Verhältnis, das man selbst dazu haben sollte, muss dieser Tage natürlich „Pluribus“ gucken. In der Serie werden einige dazu zu beantwortende Fragen gestellt, auch wenn es gar nicht vordergründig um KI geht. Carol (gespielt von der unglaublichen Rhea Seehorn) gehört zu 13 Menschen auf der Welt, die nicht erwischt wurden vom Virus, der zum Kollektivgehirn und -glück führt, und wehrt sich dagegen, Teil dessen zu werden. Es gibt schon Podcasts und Reaction-Videos zur Serie, viele Takes, Feuilletonzeugs, Typen in Anzügen, die was dazu sagen, man kann sich richtig schön reingraben. Mein Take ist, dass es vor allem auch um Trauer geht und wie sich danach die Welt vielleicht für einen anfühlt. Könnt ihr ja mal sagen, ob ihr das auch so seht, falls ihr einschaltet.
Garantiert KI-frei geglotzt hat man ja noch zu MTV-Zeiten. Da wurde meiner Generation noch von ganz echten Menschen gezeigt, wie Körper auszusehen haben und wie sie kommentiert werden dürfen. Natürlich auch in den Musikvideos, nicht nur in den bösen Dating- und sonstigen Realityshows. Aber es gab natürlich auch einen Haufen geiles Zeug. Seit Ende letzten Jahres ist MTV völlig futsch, aber jemand hat da was gebaut. Und zwar eine Internetseite, auf der man Zehntausende Videos, die auf MTV liefen, anglotzen kann, außerdem Konzerte, Interviews und andere Specials, unterteilt sogar nach Jahrzehnten, aber es gibt auch einen Shufflemodus. Das Gute: Man kann weiterklicken, wenn irgendein Quatsch kommt, muss nicht wie früher muten und aufs Klo gehen, wenn einen was nervt. Und hier kommt man auf die Seite, viel Spaß!
So, liebe Lesende und lieber Bruno Mars, das war es erstmal, man muss langsam wieder reinkommen. In Vorbereitung auf nächstes Mal könnt ihr schon mal dieses sehr gute Podcast-Interview mit Jennette McCurdy (bekannt aus „iCarly“) hören oder schauen.
Sie bringt in ein paar Tagen ihr zweites Buch heraus: „Half His Age“ und es geht um, man kann es sich denken, eine missbräuchliche Beziehung. Ich bin mir nach der Lektüre ihres ersten Buches („I’m Glad My Mom Died“) und diesem schlauen Gespräch nahezu sehr sicher, dass das Buch sehr gut wird. Tschüß, Bruno!
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