Kanye West: Entschuldigung vor Album „Bully“ löst Debatte aus

Reue oder PR-Stunt? Was steckt wirklich hinter Kanye Wests Worten und warum sind einige Themen weiterhin Tabu?

Kanye West, der aktuell unter seinem Künstlernamen Ye auftritt, hat sich am Montag (26. Januar 2026) mit einer ganzseitigen Anzeige im Wall Street Journal an die Öffentlichkeit gewandt. In dem offenen Brief richtete sich der Rapper an „diejenigen, die ich verletzt habe“ und führte sein antisemitisches Verhalten auf eine Hirnschädigung sowie anhaltende Probleme mit seiner bipolaren Störung zurück.

Der 47-Jährige distanzierte sich in der Anzeige von nationalsozialistischem Gedankengut und Verbindungen zu entsprechenden Gruppierungen. Besonders an die Schwarze Community gewandt, schrieb West: „Es tut mir so leid, dass ich euch enttäuscht habe.“ In einem darauffolgenden Interview ordnete er seine Ausfälle weiter ein. Fragen bleiben dennoch offen.

Zeitpunkt der Entschuldigung wirft Fragen auf

Die Veröffentlichung der Entschuldigung erfolgt nur wenige Tage vor der Release seines angeblich neu erscheinenden Albums „Bully“ (VÖ geplant für den 30. Januar). Zudem stehen mehrere Großkonzerte in Mexiko-Stadt für das Wochenende nach Release an. In einem anschließenden Interview mit „Vanity Fair“ wurde West deshalb direkt gefragt, ob es sich um einen PR-Stunt handle. Er erklärte daraufhin, die Entschuldigung sei aus „tiefer Reue“ entstanden. Es hätte zudem alles schwer auf seinem Herzen gelastet. Der US-Star entschuldigte sich daraufhin erneut ausdrücklich bei der jüdischen und der Schwarzen Community und bezeichnete seine Äußerungen als zu weit gegangen.

Plus: Kanye West machte eine Medikamentenumstellung für sein Verhalten verantwortlich. Nach der Änderung seiner Medikation im Jahr 2025 habe er eine verlängerte manische Episode erlebt. Ein neues Antipsychotikum habe anschließend zu einer „wirklich tiefen depressiven Episode“ geführt. West betonte, dass die Suche nach der richtigen Dosierung seiner Medikamente entscheidend für den Umgang mit seiner Erkrankung sei.

Was West aber auch im Interview betont haben wollte, waren seine nach wie vor starken Streaming-Zahlen. Nach eigenen Angaben gehörte er 2025 zu den zehn meistgehörten Künstler:innen auf Spotify in den USA. Sein Album „Graduation“ von 2007 sei zudem das meistgestreamte HipHop-Album des Jahres 2025 gewesen. Das anstehende Album „Bully“ verzeichne bereits jetzt eine der höchsten Pre-Save-Zahlen auf Spotify.

Skepsis gegenüber Aufrichtigkeit der Entschuldigung

„Vanity Fair“ stellte West auch kritische Fragen zu den Ursprüngen seiner antisemitischen Einstellungen und zu konkreten Wiedergutmachungsmaßnahmen in seinem persönlichen Leben. Diese Fragen lehnte der Rapper vollständig ab.

Beobachter:innen sehen in der zeitlichen Abstimmung der Entschuldigung mit dem Album-Release und den anstehenden Konzerten einen strategischen Schachzug. Die Erwähnung seiner Streaming-Erfolge in der Begründung, warum er keine Publicity benötige, wird ebenfalls als widersprüchlich bewertet.

West selbst gibt an, auf einem „positiven Weg“ weitergehen zu wollen und die richtige Balance bei seiner Medikation zu finden. Ob die Entschuldigung tatsächlich einen Wendepunkt markiert oder primär der Schadensbegrenzung vor wichtigen Karriereschritten dient, bleibt fraglich.

Kontroverse um antisemitische Äußerungen reicht Jahre zurück

Die antisemitischen Ausfälle von Kanye West sind kein neues Phänomen. Bereits um 2023 kam es zu öffentlichen Tiraden, die sich Anfang 2025 intensivierten. Zu den kontroversen Aktionen zählten gezielte antisemitische Aussagen, Merchandise-Artikel mit Hakenkreuz-Symbolik und ein Song mit dem Titel „H*** Hitler“.

Die Konsequenzen für seine Karriere blieben nicht aus: In den darauffolgenden Monaten wurden Konzerte in Brasilien abgesagt, sein Visum für Australien wurde widerrufen. Kanye West erklärte, dass familiäre Bindungen, tiefe Beziehungen und langjährige Freundschaften durch seine „impulsiven, schrecklichen Aussagen“ beschädigt worden seien.