Bat For Lashes

FUR AND GOLD (2025 REMASTER)

BMG (VÖ: 6.2.)

Zum 20. Geburtstag erscheint Bat For Lashes’ Folktronica-Debüt nicht nur mit verbessertem Klang, sondern auch mit sensationellen BonusStücken, Gothic-Wave-Exkurse inklusive.

Das war schon was, als Natasha Khan im September 2006 mit FUR AND GOLD um die Ecke kam. Das Kunstverständnis von PJ Harvey, aber mehr Glamour, mehr Humor, kurz: mehr Pop. Das Album mit Highlights wie „Horse And I“, „What’s A Girl To Do?“ oder „Prescilla“ legte die Grundkoordinaten für eine bis heute erfolgreiche Karriere, die Bat For Lashes auch dorthin führte, wo es gutes Geld zu verdienen gibt: in die Werbung der großen Marken, auf die Modenschauen, in die erfolgreichsten Fernsehserien von „Twilight“ bis „Hunger Games“.

Musikalisch wegweisend war FUR AND GOLD auch: Bereits 2006 entwickelte Bat For Lashes eine Musik, die mittelalterliche Harmonien und Arrangements aufnahm, um diese dann mit Phil Spectors Idee der „Wall of Sound“ oder milder Elektronik zu kombinieren. Heute gehen Beth Gibbons oder Florence Welch ähnliche Wege. Das Wiederhören zum 20. Geburtstag des Albums wird durch das Remastering zum besonderen Vergnügen: Die Toningenieure in den Abbey Road Studios haben für mehr Transparenz und Dynamik gesorgt, vor allem die Wucht der Trommeln und Percussion-Elemente ist größer.

Kalt und dunkel ist es dort. Aber Bat For Lashes kennt sich dort aus.

Als Bonus gibt es Demo-Aufnahmen von Songs, die es nicht auf das Album geschafft haben, und hier wird es richtig interessant. Voraufnahmen von Liedern wie „Dark Time“ oder „Carrie“ klingen deutlich dunkler als die Musik, die schließlich FUR AND GOLD formte. Was Bat For Lashes hier spielt, ist stark von Gothic- und Darkwave beeinflusst, von den ganz frühen Cocteau Twins, von den Electro-Avantgardisten Coil oder Siouxsie & The Banshees abzüglich Punk.

Youtube Placeholder

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Die Synthies sind minimalistisch und superkalt, die Drums träge, die Texte erzählen fürchterliche Geschichten über die Einsamkeit und das Verlassenwerden. „Rosie“ klingt wie Björk auf dem Leipziger Wave-Gotik-Treffen, der Sprechgesang in der sensationellen BBC-Live-LoungeAufnahme von „What’s A Girl To Do?“ erinnert an die Postpunk-Poetin Anne Clark. Hätte Natasha Khan in diesem Stil weitergemacht, vielleicht wäre sie heute eine Ikone in einer anderen musikalischen Welt, mit Nachfolgerinnen wie Anna von Hausswolff oder Lingua Ignota. Dass sie diese Stücke als Bonus mit auf diese Geburtstagsedition von FUR AND GOLD gepackt hat, könnte ein Hinweis darauf sein, dass sie auf ihrem nächsten Album diese schattigen Ecken noch einmal ausleuchten möchte. Kalt und dunkel ist es dort. Aber Bat For Lashes kennt sich dort aus.

Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.