Clueso
DEJA VU 1/2
Epic Local/Sony (VÖ: 27.2.)
Lieber keine schlechten Nachrichten aus der Wellness-Pop-Oase senden.
Zuerst lässt Clueso ein halbes Jahrzehnt nichts mehr von sich hören, und dann kündigt er gleich zwei Alben innerhalb eines Jahres an. DEJA VU ½ ist die erste Hälfte dieser Veröffentlichungsoffensive eines Künstlers, der es geschafft hat, einer der größten deutschen Popstars zu werden, aber trotzdem die berühmte Indie Glaubwürdigkeit nicht ganz aufzugeben. Wie Thomas Hübner, wie der Erfurter im Pass zu stehen hat, das hinkriegt, ist nicht so ganz klar, aber das neue Album sorgt für das titelgebende Déjà vu. Sind doch seine Liebeslieber fast ebenso harmlos wie die der Konkurrenz von Max Giesinger oder Johannes Oerding.
Aber da, wo die im Klischeesumpf versinken, schafft es Clueso immer wieder mit einer leicht schrägen Formulierung, einer nicht vollkommen ausgelutschten Metapher, einer stets modischen Melancholie dann doch noch mit knapper Not ans Ufer, wo die halbwegs coolen Jungs ihr Lagerfeuer angezündet haben. Wenn die Liebste vermisst wird, dann ist der Protagonist „am Arsch“ („Immer wenn du nicht da bist“), wenn eine neue Liebe allzu schnell endet, stürzt sie ab aus dem All („Freier Fall“), und einmal wird Bonnie Tyler endlich mal verstanden („Dieses Leben“).
Das größte Geheimnis ist aber wohl, dass Clueso diese Irgendwie dann doch nicht Stanzen mit einer einmalig charmanten Selbstüberzeugung vorträgt, dass selbst der Auwoohahohuh Refrain aus „Verrückter Sommer“ sich weghört. Und wenn man sich erst mal dran gewöhnt hat, dass jeder Song im wohligen Midtempo warm und wattig durch den Wellness Bereich tuckert, dann kann man das Versprechen, hier nicht mit unangenehmen Nachrichten aus der realen Welt belästigt zu werden, durchaus zu wertschätzen wissen – und wär gern dabei in dem „Plattenladen“, den Clueso eröffnen will: „Wir hängen ab in unserer kleinen Oase, auch wenn draußen gerade alles zerbricht.“ Selten klang Eskapismus wohliger.
Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.



