Thundercat
DISTRACTED
Brainfeeder (VÖ: 3.4.)
Hier ist die Welt noch so was von in Ordnung: Stephen Lee Bruner lädt zum Jazz-Tänzchen.
Sechs Jahre ist das letzte Album von Thundercat her, aber Stephen Lee Bruner, wie der Bassist, Produzent und Sänger aus Kalifornien bürgerlich heißt, war natürlich alles andere als untätig. Tracks mit Damon Albarns Gorillaz, Justice und Asap Rocky, und Auftritte in und mit der Kindershow „Yo Gabba Gabba!“ oder bei der Star-Wars-Serie „The Book of Boba Fett“ zum Beispiel. Umtriebig war der langjährige Bassist von Suicidal Tendencies ja schon immer.
Und diese Umtriebigkeit sorgt auf seinem Album DISTRACTED auch für eine eindrucksvolle Gästeliste: Asap Rocky, natürlich, aber auch Channel Tres, Lil Yachty, Tame Impala, Flying Lotus, Beck (allerdings nur als Musiker), Will Smiths Tochter Willow und, besonders berührend, Bruners langjähriger guter Freund Mac Miller, der 2018 an einer Überdosis verstorben war.
So vielfältig die Gäste, so konsistent bleibt Thundercat seiner Lust auf satte Soundteppiche, die Jazz und Beach-Boys-hafte Harmonien zusammenbringen, die an Sixties-Kapellen wie die Jackson Five erinnern und dann doch wieder total im Zeitgeist verhaftet sind, treu. Die Welt ist überfordernd, kein Wunder, dass wir uns alle wohl dauerabgelenkt fühlen, scheint uns Thundercat musikalisch sagen zu wollen. Das grundentspannte DISTRACTED packt uns dafür in weiche Watte, hier ist die Welt noch so was wie in Ordnung. Zumindest für die nächsten fünfzehn Tracks.
Diese Review erscheint im Musikexpress 4/2026.


