Fortuna Ehrenfeld
LIVE AT THE HOLLYWOOD BOWL
Tonproduktion/Edel (VÖ: 6.3.)
Ambivalenter Diskurs-Pop als Balsam für die Seele.
War ja klar, LIVE AT THE HOLLYWOOD BOWL ist kein Livealbum. Fortuna Ehrenfeld leisten sich einen Übersetzungsfehler und singen im Titelsong nicht „live“, sondern über ihr „life“ zwischen „angenehm und austauschbar“ – und mit dem ja irgendwie auch tröstlichen Fazit: „Ich hab die ganze Welt in Schönheit sterben seh’n.“ Die Kölner Formation um Martin Bechler will zwar das „Internet zerficken“, aber muss dann halt doch feststellen: „Wir leben so ein Zwischending.“
Diese Ambivalenz zieht sich durch ihr neues Album, dessen poetische Texte diesmal durchaus besorgt auf die Gesellschaft blicken. Bechler beobachtet Menschen, die versuchen, auf Zucker zu verzichten und dann müde aus dem Swingerclub kommen („Ciao Kakao“). Dazu klappert eine rostige Beatbox, die hübsch illustriert, wie rappelig und auf Kante genäht diese Welt gerade ist, und dass man den allgemein katastrophalen Aussichten kaum mehr entgegensetzen kann als gute Absichten: „Warm-strung empathy versus right-wing policy“, empfehlen Fortuna Ehrenfeld in „Ray Of Fukin’ Sunshine“, und in „Bosch Blau“ versuchen sie, Herzen zu reparieren.
Noch so ein Tipp ist: „Wir können nur gewinnen, wenn wir alles eskalieren.“ Aber schlussendlich bleibt dann doch nur „ein letzter Funken Hoffnung und ein großes, warmes Bett“, ein Versprechen aus dem wundervollen „Ich trag so viele Bilder“, ein Duett, das Balsam für die Seele ist – wie dieses ganze Album.
Diese Review erscheint im Musikexpress 4/2026.



