Arlo Parks
AMBIGUOUS DESIRE
Transgressive (VÖ: 3.4.)
Songwriter-Pop, der aus dem Grübeln ins Tanzen kommt.
Fast könnte man den Eindruck haben, Arlo Parks, jene vielgelobte, hochdekorierte (Mercury Prize 2021!) Künstlerin habe sich bisher ein wenig selbst im Weg gestanden bezüglich ihrer Pop-Breitenwirkung. Nach dem letzten, vor zwei Jahren erschienenen Album, hatte zumindest ich erwartet, dass ihr Ruhm weltweit wie eine Blüte aufgehen würde. So hervorragend fand ich es. So ganz haute das aber leider nicht hin. Vielleicht war MY SOFT MACHINE thematisch zu anspruchsvoll? Zu depressiv in depressiven Zeiten?
Wer weiß. Aber nun! Mit großer Leichtigkeit, tänzelnd und percussiv präsentiert sie uns Pop in seiner heutigsten, relevantesten Form (neben den aktuellen Ausprägungen des Hyperpop). Die Britin besinnt sich mit AMBIGUOUS DESIRE nach eigenen Angaben u.a. auf LCD Soundsystem und Theo Parrish, auf das Tanzen, die Bewegung also. Text und Rhythmus verschmelzen auf dem Album organisch, Ruhe und Hibbeligkeit haben sich entspannt und doch hellwach unter eine Decke gekuschelt. In „Jetta“ sieht man Parks beim Flanieren zu, „Get Go“ überrascht mit catchy Melodie-Wendungen, die uns warm erwischen.
In „Senses“ wird sie von ihrem ebenfalls britischen Kollegen Sampha unterstützt, der auch schon mit Solange Knowles zusammengearbeitet hat. Starke Bässe kontrastieren Parks weiche Stimmfarbe, geben dem Album Tiefe und Gewicht. Wir haben es einerseits mit klassischem Songwriting zu tun, andererseits aber eben auch mit clubtauglichen Tracks. Man fühlt sich sowohl an Saint Etienne als auch an The Streets erinnert, ohne dass man auch nur eine Sekunde denkt: „Ach, Gott, schon wieder die 90er.“ Ich vermeide meistens das zur Zeit geradezu inflationär verwendete Adjektiv „wundervoll“, aber hier verwende ich es aus vollem Herzen!
Diese Review erscheint im Musikexpress 4/2026.



