Oscars 2026: Warum die Rote-Teppich-Looks so stark kritisiert werden
Kendall Jenner, Gracie Abrams, Michael B. Jordan – ihre Oscar-Looks haben indische Wurzeln. Doch die Marken verschweigen das. Was Creator:innen jetzt fordern.
Ganz Hollywood spazierte am Sonntag, dem 15. März, zur 98. Oscarverleihung über den roten Teppich. Die Stars trugen die neusten und teuersten Kreationen der edelsten Modemarken – von Prada, Dior, Gucci, Chanel und Givenchy bis hin zu Louis Vuitton und vielem mehr. Wie jedes Jahr wurden die Looks der Promis nach der Verleihung in den sozialen Medien gerankt und besprochen. Dieses Jahr meldeten sich dabei auch viele indische Creator:innen zu Wort und machten darauf aufmerksam, dass viele der gefeierten Modestücke große Ähnlichkeit mit traditionell indischen Gewändern haben.
Shitstorm um Kendall Jenner
Kendall Jenner bekam den Shitstorm schon vor den Oscars ab, nachdem sie einen Dior-Look für ein Abendessen mit dem „W“-Magazin getragen hatte, der an viele Bollywood-Fashion-Teile aus den 2000er-Jahren erinnerte. Das war jedoch nur der Anfang.
Lehenga, Dupatta und Bandhgala auf dem roten Teppich
Der Chanel-Zweiteiler, in dem Sängerin Gracie Abrams bei der Academy-Awards-Verleihung erschien, ist keine Neuheit: Er orientiert sich am Lehenga, einer traditionellen indischen Zweiteilerkombination, ergänzt durch einen Dupatta – einen indischen Schal, der vorne um den Hals liegt und nach hinten offen herunterhängt. Dieses Kleidungsstück existiert bereits seit dem 16. Jahrhundert. Auch Bella Hadid erschien bei den Oscars mit einem solchen Dupatta. Der entsprechende Prada-Schal wurde anschließend als „skandinavischer Schal“ bezeichnet.
Auch der Schnitt von Michael B. Jordans schickem Louis-Vuitton-Anzug gleicht dem Jodhpuri Bandhgala, einem in Indien weit verbreiteten formellen Herrensanzug. Die Jacke zeichnet sich durch einen hohen Stehkragen, eine taillierte Passform und gepolsterte Schultern aus. Das Kleidungsstück entstammt einem traditionellen Hofgewand Indiens aus dem 16. Jahrhundert.
Inspiration oder Aneignung?
Wo liegt das Problem? Immerhin werden im Modedesign oft Schnitte und Muster aus anderen Ländern und vergangenen Epochen aufgegriffen und neu interpretiert – so etwa bei der „Alta Moda“-Kollektion von Dolce & Gabbana, die sich am sizilianischen Barockstil orientiert und jährlich präsentiert wird.
Problematisch ist die mangelnde Würdigung der Ursprünge dieser Modekreationen. Sie werden als originelle Designs und Innovationen vermarktet – Gracie Abrams’ Dupatta etwa als „schmaler, herabhängender Schal“. Die Creator:innen kritisieren nicht, dass sich die High-Fashion-Welt von ihrer Kultur beeinflussen lässt, sondern die Ignoranz der westlichen Modewelt, diese Designs nicht öffentlich auf die südasiatische Kultur zurückzuführen. Sie fordern die Anerkennung ihrer kulturellen Wurzeln. Weiße Personen, die indische Mode tragen, ohne diese auf ihre Herkunftskultur zurückzuführen, können dies bereits als kulturelle Aneignung werten.
Vor allem aber sollten die Modemarken überdenken, wie sie ihre Kollektionen vermarkten. Es ist nicht das erste Mal: Prada verkaufte 2025 Sandalen für 1.200 Dollar, deren Design dem der Kolhapuri-Chappals – einer traditionellen indischen Ledersandale – fast identisch war. Dafür erntete die Modemarke große Kritik, denn gut gefertigte Kolhapuri-Chappals kosten lediglich zwischen 10 und 30 Dollar.
Gleichzeitig trugen viele Stars auch bewusst Schmuck und Mode indischer Designer:innen. So trug Li Jun Li, die Schauspielerin aus „Sinners“, ein Kleid des indischen Modedesigners Gaurav Gupta. Bei Ami von K-Pop Demon Hunters erschien in einem Minikleid von Rahul Mishra. Besonders prominent waren die Schmuckdesigns von Sabyasachi Mukherjee, die unter anderem Jennifer Goodwin und Rachel McAdams trugen.







