Holly Humberstone
CRUEL WORLD
Poldydor/Universal (VÖ: 10.4.)
Sad-Pop, der nur eine Richtung kennt: in deine Arme.
In „Cruel World“, dem Titeltrack dieses Albums, scheint sich eine Discokugel zu drehen. Ganz langsam dreht sie sich über der Tanzfläche eines Clubs, der sich längst geleert hat. Synthies tupfen kleine Sterntöne im Hintergrund – und was macht Holly Humberstone? Singt: „To die with you is to die happy.“ Es ist in seiner Morbidität fast ein Lana-Del-Rey-Moment, auch wenn die Britin eigentlich anders tickt. Die Sängerin kultiviert auf ihrem zweiten Album eine Popsprache, die eine sehr genaue Balance zwischen verträumten Arrangements und großer Melodie wagt.
Bedroom-Indie winkt aus dem Hintergrund, aber auch Seventies- und Nineties-Pop. Nicht weit weg sind zu guter Letzt die großen Pop-Autorinnen der Gegenwart. Mit mindestens drei Songs schließt Humberstone scheinbar mühelos zur Swift- und Rodrigo-Liga auf: „White Noise“ verarbeitet den Liebeskummer aus der Clubtoilette heraus.„To Love Somebody“ bemüht sich darum, ihn positiv aufzuladen – die Botschaft: Wenn du gerade tief fällst, bedeutet das, dass du irgendwann ganz oben warst.
Und in „Red Chevy“ wiederum fleht sie: „Kiss me like you fuckin’ mean it.“ Ein luftiges Saxofon bläst dazu ein paar Ad-Libs. Ohnehin wird auf diesem Album viel gezweifelt, viel gefleht, viel gesucht, aber eben auch: die Welt umarmt. Manchmal beschleicht einen dabei das Gefühl, dass all diese Geschichten vielleicht nicht gut ausgehen werden. Eben ganz wie im richtigen Leben.



