Kevin Morby – „LITTLE WIDE OPEN“: Morbys musikalischer Reifegrad
Simpler Indie-Folk, der hoffnungsvolle Zuversicht verbreitet.
„If you’re anything like me, you only care about America“, sang der Singer/Songwriter Kevin Morby bereits auf seinem letzten Album This Is A Photograph – und unterstrich damit keine patriotischen Gedanken, sondern dass seine Solo-Diskographie als musikalische Karte der USA betrachtet werden kann. Ein paar Beispiele: Harlem River stand für New York City, das besagte This Is A Photograph sollte Memphis repräsentieren. Little Wide Open symbolisiert nun die weiten Flächen des Mittleren Westens. „To be alone, just the two of us, in Middle America“, heißt es in „Javelin“, der überragenden Lead-Single des Albums.
Morby arbeitet mit simplen Akkordfolgen, in die er ähnlich simple Gesangsmelodien quetscht. Dass Little Wide Open trotzdem nie langweilt, liegt nicht zuletzt an der glasklaren Produktion von Aaron Dessner (The National): Er scheint Morby ermutigt zu haben, neue Klangtupfer auszuprobieren. So steigert sich das ausschweifende Highlight „100.000″ bis ins Unermessliche, alle Register werden gezogen. Erstmals beruht ein Album von Kevin Morby nicht nur auf Bauchentscheidungen, sondern auf Wagnissen.
Little Wide Open ist als Level-up zu sehen, auch thematisch. So wird die Platte von hoffnungsvoller Zuversicht – „When you fall you get back up and run“ – und Dankbarkeit geprägt. Wenn die Welt ein für alle Mal austrocknet, wird er trotzdem verliebt sein, singt Kevin Morby. Und wenn er seine Geliebte vermisst, wird er ihr Gedichte schreiben. Das sind doch gute Aussichten.