Bleachers – „EVERYONE FOR TEN MINUTES“: Provinz statt Rampenlicht
Superproduzent Jack Antonoff und Band inszenieren sich als romantische Außenstehende zwischen Indie- und Heartland-Pop.
Jack Antonoff produziert die allergrößten Namen und gewinnt Grammy um Grammy, doch lebt in ihm der Traum, die größte Musik selbst zu spielen. Bleachers heißt sein Projekt zur Umsetzung. Wobei die Band großen Wert darauf legt, eben nicht mehr als Antonoff-Projekt wahrgenommen zu werden, sondern als Gruppe. Das gelingt live mittlerweile sehr gut, da ist die Energie der sechs Leute auf der Bühne spürbar.
Bei den selbstverständlich exzellent produzierten Studioalben war das mitunter anders, weshalb die Bleachers auf EVERYONE FOR TEN MINUTES sehr viel Wert darauf legen, als verschworener Haufen hörbar zu sein. Gesangsstimmen doppeln sich, Instrumente kommen rein und verschwinden wieder, das Stück „We Should Talk“ verhandelt das Leben in einer Band. Der Sound, der dabei entsteht, liegt exakt auf der Schnittmenge zwischen Bruce Springsteen, The National und Bon Iver. Man könnte auch sagen: Neo-New-Jersey-Poprock – die Skyline von NYC ist erkennbar, doch man lebt in der Provinz.
Dort hat das Hochzeitskleid einen Flecken, ist der Bandbus für die Tour vollgetankt – und gibt es diese große Sehnsucht: „You And Forever“. Bemerkenswert sind ein paar der Songs gegen Ende, auf denen Antonoff und Band andere Töne finden. „She’s From Before“ bringt Bob Dylan in den Mix, „I’m Not Joking“ den 60ies-Softpop der Bee Gees, „Upstairs At Els“ die Form von 80ies-Poprock, die leider nur selten im Radio läuft, weil Gruppen wie Cock Robin oder Glass Tiger vom Radar verschwunden sind.