Bleachers Take The Sadness Out Of Saturday Night


Sony (VÖ: 20.8.)

von

Die Bleachers sind in Baseball-Stadien die billigsten Sitze hinter dem Outfield-Zaun, wo oft die treuesten Fans sitzen. Dass Jack Antonoff, der aussieht wie Buddy Holly und zusätzlich in Bands spielt, die Steel Train, Fun und Red Hearse heißen, sein in New York ansässiges Soloprojekt nach einem solchen ikonografischen Stück Americana benennt, ist kein Zufall, sondern auf seinem dritten Album TAKE THE SADNESS OUT OF SATURDAY NIGHT überdeutlich zu hören.

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Wenn Patina klingen könnte, dann würde sie sich anhören wie diese Platte: Songs mit klassischem Strophe/Refrain/Bridge-Aufbau, aufgenommen fast zurückhaltend, leicht verschwommen, auf jeden Fall ohne die knalligen Effekte, die man heute gewohnt ist. Die Dynamik kommt stattdessen aus den Songs selbst, aus ihrem Aufbau, aus den Lyrics, die noch einmal die alten Boy-meets-girl-Geschichten erzählen, aus der Stimme, die mal überschnappt, sich mal ankuschelt, aber niemals die meist lustig vorwärtsstürmende Band in den Schatten stellen will.

Durch „How Dare You Want More?“ toben Bläser, die die guten alten Memphis Horns wiederaufleben lassen, in „Chinatown“ hat Bruce Springsteen einen Gastauftritt, „Don’t Go Dark“ hat Antonoff zusammen mit Lana Del Rey, der Großmeisterin der klingenden Patina, geschrieben, die auch noch im Background singt. Und „Big Life“ kann man sich prima vorstellen als Ersatz von Springsteens „Glory Days“ auf den Bleachers dieser Welt.


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