Madsen – „SMILE“: Moshpit in sauberen Socken

Deutscher Indie-Rock , der nichts als Zustimmung provoziert.

Die Band Madsen besteht mit Sicherheit aus sehr sympathischen Mitgliedern. Auch – so scheint es mir – will die Band politisch das Richtige. Man setzt sich für dieses und jenes ein, verhandelt mitunter gesellschaftliche Missstände textlich und distanziert sich von Intoleranz und rechtem Gedankengut. Das ist gut und im Indie-Kosmos ja auch anschlussfähig. Nun erscheint Madsens zehntes Album. Das letzte stieg auf Platz eins in die Charts ein, vielleicht gelingt das diesmal wieder. Es würde mich nicht wundern.

Warum? Weil wir es hier mit etwas zu tun haben, das niemandem weh tut, das radiotauglich ist und vermutlich auch auf Festivals und in größeren Hallen prächtig funktioniert – wegen seiner Hauptstromhaftigkeit. Einmal Madsen, immer Madsen. So wie bei den Hosen oder Ärzten. Aber es hilft nichts: Es handelt sich um Nullmusik. Null Innovation, null lyrische Raffinesse, null Ecken und Kanten, null Mut, null Risiko. Mit Zeilen wie „Wir fliegen hoch, wir fallen tief, mal läuft es gut, dann wieder mies“ („Achterbahn“) provoziert man bei den Hörenden logischerweise nichts als Zustimmung. Und auch ich muss sagen: Ja, da ist was Wahres dran an dieser Beobachtung.

„Hasta la ­vista“ klingt nach Billo-Rock der frühen 2000er in den USA, „Pass auf dich auf“ ist gut produzierter Oberstufenschlager in urst-fetzig, und dem im Track „Mir ist das scheißegal“ postulierten „I don’t give a fuck“ traue ich so wenig über den Weg wie der Kekse backenden Meghan Markle. „1995″ zählt dann sogar all die punkigen Heldentaten und Mini-Revolten der Band in der heimatlichen Provinz auf. Man will Moshpit, aber dann eben doch in den sauberen Socken, die Mutti in die Schublade sortiert hat. Hoffentlich sind bei all dem über die Jahre wenigstens diverse Eigenheime und vorzeigbare Gitarrensammlungen herausgesprungen. Dies sei der Band dann von Herzen gegönnt.

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