„Berlin für Rojava“-Konzert: Ausverkaufte Columbiahalle für Kurdistan
Wut, Solidarität und Musik: Das Benefizkonzert Berlin für Rojava brachte K.I.Z, Pashanim und Koma Berxwedan zusammen – für Rojava.
Am 1. Juni 2026 öffnete die Columbiahalle um 20:00 Uhr erneut ihre Pforten – und verband Musik mit einem guten Zweck. Unter dem Namen „Berlin für Rojava“ fand ein Benefizkonzert statt, das klassisch kurdische Musik mit typischem Berliner Rap zu einem ebenso emotionalen wie unterhaltsamen Abend verband. Einerseits sollte Aufmerksamkeit auf die politische Ungerechtigkeit in Kurdistan, Unterdrückung von Kultur und Leben, gelenkt werden, andererseits eine möglichst hohe Spendensumme für die humanitäre Versorgung der Zivilbevölkerung zusammenkommen. Spendenziel des Abends: 100.000 Euro.
Das Lineup beeindruckt auf den ersten Blick: Absolute Größen der deutschen Musikszene – von K.I.Z über Pashanim bis hin zu Paula Hartmann. Doch dieser Abend geht weit über das reine Erlebnis, Lieblingskünstler:innen live zu sehen, hinaus. Es handelt sich um das zweite Benefizkonzert in der Columbiahalle. Wie im Vorjahr – damals für Gaza – kamen auch diesmal 3.500 Menschen zusammen. Ausverkaufte Halle, ein Abend geprägt von Verzweiflung, Wut und Aufruhr – und dennoch von einer gemeinsamen Leidenschaft: Musik. Eines steht dabei fest: Musik ist definitiv politisch.
Die Lage in Rojava
Trotz des Waffenstillstandsabkommens in Rojava bleibt die Lage angespannt. Angriffe auf die Infrastruktur haben stattgefunden, Städte wurden belagert und Fluchtwege blockiert. Auf der Website des Veranstalters heißt es: „Besonders betroffen sind Kurden, Frauen und religiöse Minderheiten und damit genau jene Errungenschaften, für die Rojava in den letzten Jahren stand: demokratische Selbstverwaltung, Gleichberechtigung und Solidarität.“
Das Lineup
Das vollständige Lineup umfasst: AK Ausserkontrolle, Ceren, Hakim Lokman, Hoti, K.I.Z, Koma Berxwedan, Kurdo, Lune, OG LU, Pashanim und Paula Hartmann. Die Eröffnung des Abends bot Einordnung und Erklärung – ehrlich, roh und emotional. Bilder im Hintergrund untermalten die erschreckenden Zustände, in denen sich Rojava befindet. Die Botschaft: aufeinander achten, Solidarität zeigen und den Abend genießen. Das tat das Publikum.
Kultur und Geschichte: Koma Berxwedan
Musikalisch eröffnete der Abend mit Kultur und Geschichte. In den 1980er-Jahren gegründet, seit sieben Jahren von der Bildfläche verschwunden – doch am gestrigen Abend auf der Bühne der Columbiahalle: Koma Berxwedan, eine kurdische Symbolgruppe und fester Bestandteil der kurdischen Freiheitsbewegung. Das Publikum war sichtlich aus dem Häuschen. Man musste der kurdischen Sprache nicht mächtig sein, um zu verstehen, dass dieser Auftritt bewegend, bedeutend und stark war.
Lune, Paula Hartmann und Hoti
Auf diesen Auftritt folgte der Beitrag von Lune, einer Sängerin und Rapperin mit kurdischen Wurzeln. Mit ihrer starken und zugleich weichen Stimme performte sie Lieder, die thematisch kaum passender hätten sein können. Das Thema war klar: Freiheit – Freiheit für alle.
Daraufhin betrat Paula Hartmann die Bühne – eine besondere Überraschung, da sie in diesem Jahr weder auf Tour ist noch auf Festivals spielt. Obwohl ihre Lieder tendenziell keine direkt politischen Themen aufgreifen, bezog sie klar Stellung und fand die richtigen Worte für den Abend. Ihr letztes Lied widmete sie ihrer kurdischen besten Freundin – ein Moment, der sichtlich sie selbst und das gesamte Publikum bewegte.
Mit reichlich Energie kam der Rapper Hoti auf die Bühne und riss die Zuschauer:innen mit einem Mix aus bestehendem und unveröffentlichtem Material in den Bann.
Paula Hartmann im Interview: „Niemand ist für die Öffentlichkeit gemacht“
K.I.Z, OG LU und Kurdo
Dann wurde „Hurra, die Welt geht unter“ geschrien – denn K.I.Z war da, und zwar so richtig. Selten habe ich die Columbiahalle so laut erlebt. Lieder, die eine Generation geprägt haben und heute wie damals von hoher Relevanz sind. Gesprungen wurde nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Publikum. Kurdische Flaggen in der Luft, lauter Gesang.
Frankfurter Power betrat die Bühne: OG LU überzeugte mit starker Performance und Worten, die breite Zustimmung fanden. Für viele war der anschließende Auftritt des Rappers Kurdo das Highlight des Abends. Wie er selbst sagte, trat er erst zum zweiten Mal in Berlin auf. Seine Lieder waren die Hymnen einer Jugend – und wurden gestern mit neuen Erinnerungen belebt.
Ceren, AK Ausserkontrolle, Pashanim und Hakim Lokman
Daraufhin betrat Ceren die Bühne und berührte das Publikum mit einem deutsch-türkischen Song. Auf ihren Auftritt folgte AK Ausserkontrolle mit der „Berliner Hymne“. Das gesamte Publikum schrie „BERLIN LEBT“ – und als man dachte, die Stimmung habe ihren Höhepunkt erreicht, kam Kreuzbergs Diamant Pashanim auf die Bühne. Mit jedem Lied stieg die Stimmung weiter; die Message war klar. Seine Songs verbinden sommerlichen Rap mit politischer Botschaft.
Den Abschluss des Abends übernahm Hakim Lokman, der den kulturellen Aspekt zum Ende hin noch einmal eindrucksvoll aufgriff. 3.500 glückliche Gesichter, kurdischer Gesang hallte durch die Venue, über die Ränge – alle feierten, alle waren beisammen, alle hatten dasselbe Ziel, denselben Wunsch: Freiheit für alle.

Fazit
Ein absolut gelungener Abend – abwechslungsreich, emotional und eindringlich.
Hier kann man noch spenden: https://www.medico.de/spenden/berlin-fuer-rojava



