Ikkimel bringt ZDF-Zuschauer mit „Alles Penner“-Songtext zum Erstarren
Beim Morgenmagazin sorgte Ikkimel mit ihrem Auftritt für verdutzte Gesichter – Kolumnist Micky Beisenherz erinnerte das an Kerkelings „Hurz“.
Am Montagmorgen aufstehen und direkt vor der ersten Tasse Kaffee als „Penner“ beleidigt werden – einfach herrlich. Man spürte regelrecht den „und das mit unseren Zwangsgebühren“-Nachruf schon durch die Internetpforten sausen, während man den Auftritt Ikkimels im ZDF bewundern konnte. Im Gegenzug vielleicht mal der Kommentar: Endlich werden die Gebühren sinnvoll verwendet!
Was passiert ist
Als Hans Dieter am 6. Juli um 8:28 sein Spiegelei bei einer gepflegten Runde MoMa im ZDF schnabulieren wollte, erfuhr er ungewollt, was „Fotzen Rap“ ist. Denn Mutter Ikki beschloss, neue Altersgruppen für ihre Musik zu akquirieren, und trat in der morgendlichen ZDF-Sendung vor einer „Schulklasse und Ü-50 Männern“ auf. Und obwohl die Moderatoren versuchten, den Auftritt im Vorfeld zu relativieren, macht ein Schwenk ins Publikum unmissverständlich klar, wie obszön der Auftritt für manche schien.
Passend zur sensationell harmonischen WM erklang „Fußballmänner alles Penner“ im ZDF-Studio und hinterließ etwas fragende und verstörte Gesichter. Und während die Kinnladen des einen oder anderen Betrachters des Spektakels hinunterklappten, musste selbst Ikkimel etwas lachen. Es schien wie ein beeindruckender Weltrekord, welcher zugleich sehenswert und abschreckend erscheint: Man will weggucken, aber kann es nicht. Und während besorgt begutachtet wurde, wie besagte Ü-50-Männer zu „Heute interessiert mich nur ob der alte Single ist“ angetanzt wurden, stellten sich wohl einige die Frage, wo sie denn jetzt gelandet seien. Den stillsten Auftritt ihrer Karriere beendete Ikkimel äußerst amüsiert mit „Guten morgen MoMa“.
„Alles Penner“
Ja „guten morgen, Ikki“ möchte man an dieser Stelle doch entgegnen. Denn während die Moderatoren versuchten, den Auftritt einzuordnen und zu verharmlosen, sollte man vielleicht eher die Frage stellen: Warum denn das?
Es ist der Versuch, die Kunst zu entwaffnen und ihr das beste Werkzeug zu nehmen: Gefühle. Einfach mal „Fußball Männer Alles Penner“ passend zum Infantino-Trump-Debakel für sich stehen lassen. Und wenn es Hans Dieter auf der Couch am Morgen erzürnt hat, hat die Kunst eben genau ihren Zweck erfüllt. Es ist ein Anreiz zum Nachdenken. Schließlich mussten Generationen von Kindern versuchen, zu verstehen, was Franz Kafka und ein Käfer gemein haben, da dürfte man dem durchschnittlichen ZDF-Zuschauer doch eine gewisse kognitive Verarbeitungsfähigkeit zusprechen.
Es grenzt an moderne Kunst, in welcher das MoMa im ZDF die Leinwand spielt. Nicht unpassend vergleicht Micky Beisenherz den Vorfall mit dem „Hurz“ von Hape Kerkeling – ebenfalls eine Darbietung, welche den einen oder anderen Zuschauer zum Nachdenken brachte.
Es ist einfach, den Text von Ikkimel als beleidigend abzutun. Denn die Alternative wäre, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und zu überprüfen, warum man selbst ein „Penner“ ist. Wenn man diesen Prozess durchlaufen hat, könnte es sein, dass einem die Texte gar nicht mehr so provokant vorkommen. Guten Morgen Deutschland!






