Violent Femmes

Welche Gründe auch immer — die Violent Femmes diesmal in einer prall gefüllten Fabrik antreten zu lassen, muß als wenig glückliche Maßnahme gewertet werden. Diese Lokalität beherbergt nämlich eine Vorrichtung, gemeinhin auch „Bühne“ genannt, die sich nur unwesentlich über das Publikumsparkett erhebt. Und so durften alle, die nicht zu den chosen few ganz vorn oder oben auf der Balustrade gehörten, ausgiebige „Köpfchen-streckdich“-Übungen absolvieren, erschwert noch durch gelegentliche Pogo-Exzesse der vorderen Reihen — kein Vergnügen bei reichlich zwei Stunden Spielzeit!

Dabei gehören gerade Gordon Gano, Brian Ritchie und Victor De Lorenzo, wie inzwischen üblich verstärkt durch Gebläse- und Keyboards-Hilfskräfte, zu der raren Spezies Akteure, die auch über die volle Distanz konzentriertes Augen-Merk (heraus-)fordern. Vokabeln wie Spontaneität. Situationskomik und Slapstick stehen nach wie vor in großen Lettern auf dem Banner, das die Femmes in ihren Shows hissen. Und das beinhaltet nicht nur Ganos augenzwinkernde, mit Lokalkolorit durchsetzte Verbal-Spitzen, sondern vor allen Dingen auch (inter-)Aktion, ständig Bewegung und Big Fun auf der Bühne.

Ganos trockener Humor hat kaum gelitten: Als ihm ein Scherzbold von der Balustrade ein paar Groschen zuwirft, gibt er galant zu verstehen, daß nur Scheine oder „personal checks“ erwünscht seien. Und Reisepässe, weiß Gano, seien momentan ja auch sehr gefragt, und präzisiert dann seine Vorstellungen für den Erwerb seines Exemplars: Klein sollte sie sein, schlank, dunkler Typ… und „very, very good looking!“

Auch wer, neben einem turbulenten, repräsentativen Streifzug durchs Original-Repertoire, auf Covers gewartet hatte, wurde nicht enttäuscht: Neil Diamonds „Song Sung Blue“ (!) wird verhackstückt und im Zugabenteil kommt der Brecht/Weill’sche „Alabama Song“ mal wieder zu Ehren.

Die große Party aber will trotz redlicher Bemühungen der Femmes nicht recht Zustandekommen. Kein Erklärungsdefizit bei Gano, der erstaunliche Kenntnisse bezüglich regionaler Rezeptionsunterschiede vorweisen kann: Die Leute in Hamburg, weiß er, sind halt ein bißchen reservierter; da gelte es schon als Beifallskundgebung, wenn mit dem Kopf genickt und „Mmm, ja sehr gut.“ gemurmelt wird. Aber dafür habe er vollstes Verständnis. Charmanter hat uns Nordlichtern sicherlich noch niemand unseren latenten Hang zur Bewegungsarmut beigebogen …

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