Jugendkrawall aus London: EMF

Sie sehen auch nicht viel anders aus als ihre Altersgenossen in Rostock: Nike-T-Shirts, über der Nase das Stüssy-Käppi. Und auch sie machen an diesem Abend eine Menge Krawall. Der Unterschied: EMF schmeißen lieber mit Welthit-Melodien denn mit Pflastersteinen, ohne dabei auch nur einen Deut weniger rotzig zu wirken.

Drei Hundertschaften von Pop-Komm-Besuchern in der Live Music Hall, von den Vorgängern (Levitation) gelangweilt, wurden von EMF recht unsanft aus dem Schlaf gerissen: Eine solche Urkraft hatte von einer Band, die als Teenie-Eintagesfliege mit US-Zufalls-Hit („Unbelievable“) gehandelt wurde, kaum jemand erwartet. Alle Keyboards vom Tonband eingespielt, konnten sich die jungen Briten ganz darauf konzentrieren, Schlagzeug, Baß und Heavy-Gitarre nach allen Regeln der Live-Kunst zu bearbeiten. Daß die Songs des „Schubert Dip“-Nachfolgers „Stigma“ trotz aller Arrangement-Raffinesse der LP derartige Bühnen-Knaller sein können, verdanken EMF nur ihrem jugendlichen Leichtsinn — so frech hat schon lange keiner mehr Tanzbarkeit, Rock-Rebellion und hochklassigen Brit-Pop in einem Topf verrührt.

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