Veruca Salt

Die derzeitigen Lieblinge der britischen Musikpresse sind richtig gerührt: „Das ist das erste Mal, daß unser Publikum die Texte mitsingt“, frohlockt Sängerin Nina Gordon und bedankt sich dafür, daß Großbritannien die Band „schon lange vor den USA umarmt“ habe. Kurz darauf stellt sie verlegen fest, welche Freude es ihr bereite, im Publikum Mitglieder von My Bloody Valentine und Echobelly zu sehen: „Und Mikki von Lush ist auch da!“ Mit anderen Worten: Das Konzert vor knapp 2000 Seelen im restlos ausverkauften Londoner Astoria Theatre ist so etwas wie ein ‚homecoming‘.

Dabei ist das Quartett aus Chicago live nicht halb so gut, wie die grandiose Debütsingle ‚Seether‘ und das Album ‚American Thighs‘ vermuten lassen. Der eindringliche, kraftvolle Gesang, vordergründiges Element bei Veruca Salts Studioproduktionen, degeneriert auf der Bühne zu einem dünnen Aufguß: Die stimmliche Dynamik Nina Gordons erschöpft sich in enervierender Säuseligkeit und überanstrengtem Gebrülle. Selbst ihre besten Songs – ‚Seether‘, ‚Twinstar‘ und ‚All Hail Me‘ – wirken erheblich unterbelichtet, die kraftlosen Vokaldarbietungen lassen das hervorragende Songmaterial streckenweise in Monotonie ersticken. Daß die Show dennoch nicht zu einem ausgemachten Debakel wird, verdanken Veruca Salt einzig und allein ihren handwerklichen Fähigkeiten: instrumental präsentiert sich Chicagos Vorzeigeband von ihrer Schokoladenseite.

Bassist Steve Lack und Schlagzeuger Jim Shapiro sorgen im Hintergrund für den nötigen Überdruck, die rastlos umherwirbelnden Frontfrauen Nina Gordon und Louise Post legen eine Genre-untypische Originaliät an den Tag: die angenehme Eigenart, immer wieder knapp bemessene, gekonnt dissonante Gitarrensoli in den Saal zu schmettern, verhilft Veruca Salts Pop-Grunge letztendlich zu ungewöhnlichem Facettenreichtum.

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