Nicolette

Im Rahmen der „Friendly Electric“-Nacht auf der Pop-Komm präsentierte Nicolette dem deutschen Publikum erstmals live ihr aktuelles Album ‚Let No-One Live Rentfree In Your Head‘. Ein reichlich zwiespältiges Unternehmen, denn ähnlich wie Kollege Tricky, der es live regelmäßig mit Leichtigkeit schafft, seine Songs in einer uninspirierten Soundsuppe untergehen zu lassen, kämpfte Nicolette bei ihrem Auftritt 60 Minuten einen heldenhaften, doch oft vergeblichen Kampf gegen die musikalischen Konventionen eines zu eng gesteckten Bandkonzepts. Was auf Platte noch perfekt funktioniert, die klangliche Interaktion zwischen ihrer einnehmenden, ausdrucksstarken Stimme und den perfekt ausgefeilten elektronischen Beats und Sounds, verlor live mit zunehmender Dauer des Konzerts an Durchschlagskraft. Die 31jährige Musikerin zog das Publikum mit ihrem direkten Charme und den kecken Ansagen in den ersten Minuten zwar noch in ihren Bann, doch auf Dauer konnte selbst ihre positive Ausstrahlung nicht über die durchschnittliche musikalische Darbietung hinweghelfen. Nicolette und ihre Mitmusiker konterkarierten den radikalen Ansatz von Songs wie ‚We Never Know‘ und ‚Judgement Day‘ im bis zum letzten Platz gefüllten Theater am Rudolfplatz mit spannungsarmem Gedudel, das meistens klang, als würde eine Horde mittelmäßiger Acid-Jazz-Mucker zum Sonntagnachmittagstee aufspielen. Zu den wenigen Höhepunkten der Show zählte neben einer elektrisierenden Version von ‚No Government‘, die für fünf Minuten alle musikalische Beliebigkeit vergessen ließ, vor allem der Titel ‚You Are Heaven Sent‘. Hier schaffte es Nicolette kurzzeitig, aus dem wohligen Klangteppich ihrer Band auszubrechen, für Sekunden erlöste sie die schwitzende Masse aus ihrer respektvollen Lethargie. Vielleicht lag es ja am grandiosen Auftritt von Rockers HiFi, die den Abend eröffnet hatten, daß Nicolette im Anschluß keinen Fuß auf den Boden brachte. Denn im Gegensatz zu ihr kreierte das Dub-Kollektiv aus Birmingham bei seinem Auftritt ein farbenfrohes Musikfeuerwerk, dem sich wirlich niemand entziehen konnte.

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