Ani DiFranco


WIEDER EINMAL REGNET ES IN LONDON. DEN VIELEN hundert Wartenden in einer schier endlosen Schlange vor dem Forum ist das aber egal. Denn sie harren ungeduldig darauf, daß sich die Türen öffnen und das restlos ausverkaufte Konzert von Ani DiFranco beginnen kann. Die Amerikanerin steht derzeit nicht nur bei den Fans hoch im Kurs. Auch die Kritiker haben sie längst ins Herz geschlossen. Das scheint der Singer/Songwriterin allerdings gar nicht so sehr zu gefallen. Die plötzliche Aufmerksamkeit, die ihr und ihrer Musik zuteil wird, irritiert Ani DiFranco eher. Auch stört sie sich an dem Image, das ihr von der Presse und einigen Fans verpaßt wurde. Eine männerhassende Feministin will Ani DiFranco nämlich nicht sein. Also kämpft sie ständig gegen dieses Vorurteil an – sei es mit den Songs ihres aktuellen Albums „Little Plastic Castle“, die sich größtenteils mit ihrem Image und den Folgen ihres plötzlichen Ruhms auseinandersetzen, oder sei es (auf der Bühne) mit ausschweifenden Kommentaren zwischen den einzelnen Liedern. Wie an diesem Abend. Immer wieder distanziert sich die New Yorkerin mit abfälligen Bemerkungen von der Riot-Girl-Bewegung, mit der sie so oft fälschlicherweise in Verbindung gebracht wurde. Auch kleine Anekdoten vom Beginn ihrer Karriere vor acht Jahren teilt Ani DiFranco mit ihrem Publikum. Denn für Ani steht fest: Als Folksängerin muß man seine Fans unterhalten. Und das kann Ani DiFranco besonders gut. Natürlich kommt die Musik während ihrer gominütigen Show nicht zu kurz. Begleitet von Andy Stochansky (dr) und Jason Mercer (bs) eröffnet DiFranco den Abend mit dem energetischen, von ihrer akustischen Gitarre getriebenen „Gravel“. Weiter geht’s mit dem ska-angehauchten „Little Plastic Castle“, bei dem der kleinen Sängerin überraschend der Text ausgeht. Kein Problem! Spontan dichtet Ani DiFranco eine neue Strophe hinzu. Danach sind die Lieblingslieder der Fans an der Reihe: das ruhige „Untouchable Face“ und die druckvollen Stücke „Anticipate“ und „In & Out“. Zu Ende geht das Konzert mit einem ganz besonderem Highlight: Gemeinsam mit ihrem langjährigen Drummer trommelt Ani DiFranco auf einem Tom Tom und rezitiert- in schöner Patti-Smith-Manier – ihr Gedicht „Not So Soft“. Fazit der beeindruckenden Darbietung: Diese kleine Sängerin kommt bestimmt noch ganz groß raus – auch wenn ihr das momentan noch nicht ganz so paßt.