Genug Geigen, Bläser und Chöre. Neil Hannon verordnet Divine Comedy eine klangliche Diät

Keine schöne Situation für ein Interview mit Divine Comedy-Sänger und Songschreiber Neil Hannon: Der Mann hat erst kürzlich geheiratet und befindet sich mit seiner Frau Orla noch in den Flitterwochen. Wir wollen eigentlich gar nicht stören … „Ach, das ist doch schon wieder ein paar Wochen her – wir sind längst im Ehe-Alltag“, lacht Neil Hannon. Von ,Heirat‘ spricht er übrigens auch, wenn es darum geht, seine zynischen Texte mit wunderbaren Melodien zu grandiosen Liebesliedern zu verbinden: „Ich versuche, Text und Musik, die sich getrennt voneinander entwickeln, miteinander zu verheiraten“, erklärt er. „Aber nicht immer. Auf dem Album, an dem ich gerade schreibe, entsteht beides zusammen.“ Ein Richtungswechsel beim Songschreiben. Heißt das, Divine Comedy werden nach ihrem Best-Of-Album „A Secret History“ neue Wege gehen? „Ich war nie ein Freund von Richtungswechseln. Aber die zehn Jahre, in denen ich schreibe, haben zu einem Prozeß geführt, der sehr orchestral wurde. Zum Schluß dachte ich, daß es einfach nicht noch riesiger ginge: 30 Geigen, 38 Bläser und der große Chor. Über hundert Leute insgesamt. Das war enorm. Also haben wir uns entschlossen, in die umgehrte Richtung zu gehen.“ Canz weg vom Bombast-Pop sind Divine Comedy aber noch längst nicht, das beweist ihr Mit mischen auf Tom Jones‘ aktuellem Recycling-Sampler „Reload“.

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